Afghanistan: Das bisschen Leben
Unser Reporter kennt Rafi und seine Frau Halima seit 15 Jahren. Damals gingen sie in Afghanistan für ihre Liebe ins Gefängnis. Was ist aus ihnen geworden?
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Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende__, Ausgabe 02/2026.
Der Himmel über der Mauer, die die Welt von Halima und Asifa auf drei Räume und einen kleinen Innenhof reduziert, ist fast immerzu blau. An fast allen Tagen ist er blau. Nur selten färben ihn Sandstürme beige. Ganz selten ziehen Wolken über ihn. "Manchmal halten wir es fast nicht mehr aus", sagt Halima. Sie sehen auf den Himmel über Herat, der zweitgrößten Stadt Afghanistans, und sie sehen nichts als dieses Blau. Lebloses Blau. Bleischweres Blau.
Ein Kind öffnet die Tür in der Mauer, Yasna, sieben Jahre, neugieriger Blick. Die Mauer ist aus Lehm und vier Meter hoch. Es gibt nur eine einzige Öffnung: eine niedrige, schmale Holztür. Die Frauen warten im Haus am anderen Ende des kleinen Vorhofs. So werden sie von der Straße aus nicht gesehen, das Kind haben sie vorgeschickt. Eine Treppe aus fünf Stufen führt ins Haus; im Türrahmen warten Halima, Yasnas Mutter, und Asifa, ihre Schwägerin.