Android: Google halbiert Releasezyklus für AOSP-Quellcode
Google führt weitere Änderungen am Releasezyklus von Android durch: Der Quellcode wird künftig nur noch zweimal im Jahr im AOSP veröffentlicht.
Google wird neuen Quellcode von Android ab diesem Jahr nur noch zweimal jährlich im Android Open Source Project (AOSP) veröffentlichen. Dieser Zyklus deckt sich mit dem Mitte des letzten Jahres eingeführten Trunk-Stable-Modell. Schon beim Update auf Android 16 QPR1, das im September erschien, hatte Google sich ungewöhnlich viel Zeit gelassen, den Quellcode im AOSP zu veröffentlichen – er erschien ganze zwei Monate später. Für Custom-ROM-Entwickler dürfte diese Neuerung eine weitere Hürde sein, zeitnahe Updates zu liefern.
Neuer AOSP-Code nur noch zweimal jährlich
Bislang hatte Google seit Beginn des AOSP im Jahr 2007 den Quellcode nahezu zeitgleich mit der Veröffentlichung eines Android-Updates freigegeben. Mit dem AOSP-Code, der unter der recht freizügigen Apache-2.0-Lizenz bereitgestellt wird, können unabhängige Entwickler ihre eigenen Android-Versionen kompilieren. Auch Custom-ROM-Entwickler wie GrapheneOS, LineageOS oder CalyxOS sind auf den AOSP-Code angewiesen.
Ab diesem Jahr müssen Custom-ROM-Entwickler sich umstellen: Google informiert Entwickler entsprechend auf der Android-Webseite mit einem Banner: „Ab 2026 werden wir den Quellcode im 2. und 4. Quartal in AOSP veröffentlichen, um unser Trunk-Stable-Entwicklungsmodell zu unterstützen und die Plattformstabilität für das Ökosystem zu gewährleisten.“
Damit halbiert Google die Anzahl der Quellcode-Releases: Bislang veröffentlichte das Unternehmen den Code mit jeder vierteljährlichen Android-Version. Mit dem reduzierten Veröffentlichungszyklus auf zweimal pro Jahr liefert Google künftig den Quellcode nur zum großen Android-Update im zweiten Quartal – voraussichtlich Android 17 – und einem kleineren im vierten Quartal, die beide Änderungen am SDK für Entwickler mit sich bringen.
Google: Fokus auf Stabilität
Gegenüber Mishaal Rahman von Android Authority erklärte ein Google-Sprecher, dass die neue Strategie „die Entwicklung vereinfache, die Komplexität der Verwaltung mehrerer Code-Zweige beseitige und es ihnen ermögliche, Android-Plattformentwicklern stabileren und sichereren Code zu liefern“.
Der Sprecher stellte ferner klar, dass Googles Engagement für AOSP unverändert sei – dies versicherte schon Mitte 2025 Googles Vice President und General Manager der Android-Plattform, Seang Chau, auf X. Der neue Veröffentlichungsplan helfe dem Unternehmen dabei, „eine robustere und sicherere Grundlage für das Android-Ökosystem zu schaffen“.
Weiter sagte der Google-Sprecher, dass sich der Prozess für die Veröffentlichung von Sicherheitspatches nicht ändern werde und das Unternehmen weiterhin jeden Monat Sicherheitspatches in einem speziellen, ausschließlich für Sicherheitszwecke bestimmten Zweig für relevante Betriebssystemversionen veröffentlichen werde. Es sollte jedoch erwähnt werden, dass Google vor einigen Monaten auf ein sogenanntes „Risk-Based Update System“ (RBUS) umgestellt hat, bei dem monatliche Sicherheitspatches kleiner als bisher ausfallen – nur jene Lücken mit hohem Risiko werden zeitnah gepatcht. Weitere, weniger sicherheitsrelevante Lücken werden nur noch quartalsweise geflickt.
Google arbeitet schon lange an einer neuen Updatestrategie für Android. Zuletzt sagte der Konzern im Dezember, dass „nicht mehr nur ein einziges jährliches Betriebssystem-Update, sondern häufigere Releases bereitgestellt werden“. Das bedeutet, dass neue Android-Funktionen künftig dann erscheinen, wenn sie fertig sind. Ziel der neuen Strategie ist laut Google, „Innovationen bei Apps und Geräten schneller voranzutreiben“ sowie Nutzern und Entwicklern „mehr Stabilität und Perfektion“ zu bieten.
(afl)