Bartleby, der Schreiber: Nö
Klassiker der Weltliteratur, neu erzählt für (ewige) Kinder: Herman Melvilles "Bartleby, der Schreiber" ist das Buch für alle, die sich verweigern wollen.
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Klassiker der Weltliteratur, neu erzählt für (ewige) Kinder – diesmal: "Bartleby, der Schreiber" von Herman Melville
Aus der ZEIT Nr. 02/2026 Aktualisiert am 11. Januar 2026, 17:51 Uhr
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Der Schreiber Bartleby wird vom eifrigen Angestellten zum Albtraum aller Arbeitgeber. © Rebecca Tien/Getty Images
Iris Radisch erzählt Kindern die Weltliteratur. Diesmal "Bartleby, der Schreiber" von Herman Melville.
Bartleby ist ein junger und ziemlich trauriger Typ von der Wall Street in New York. Herman Melville, der die Geschichte von Bartleby 1853 geschrieben hat, verrät uns nicht, warum er so traurig ist. Aber das ist nicht schlimm. Das grundlose Traurigsein ist sowieso das schönste.
Eigentlich hatten die Leute in der Wall Street damals noch ein ruhiges Leben. Das meiste wurde mit der Hand gemacht, und diese Handarbeit war vielleicht der Grund dafür, dass die Finanzmärkte stabiler waren. Jedenfalls stürzten sie noch nicht alle naselang ein. Der Schreiber Bartleby muss nun den ganzen Tag mit Feder und Tinte Papiere abschreiben. Das ist einer der zahllosen Berufe, die inzwischen vom Erdboden verschluckt sind, obwohl sie mit großem Eifer von Leuten ausgeübt wurden, die sich dabei unentbehrlich vorkamen. Es kann einem schwindelig werden bei dem Gedanken an die vielen Menschen, die ihr Leben lang früh aufgestanden sind, um im frisch gewaschenen Hemd und mit gekämmten Haaren einer Arbeit nachzugehen, die heute spurlos aus der Welt verschwunden ist.