"Bartleby, der Schreiber": Seine Majestät
Herman Melvilles legendärer Büromensch Bartleby ist ein Held unserer Zeit. Das wird deutlich, wenn man die Erzählung von 1853 in ihrer neuen Übersetzung liest.
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Herman Melvilles legendärer Büromensch Bartleby – er ist ein Held unserer Zeit.
Aus der ZEIT Nr. 51/2025 Aktualisiert am 1. Januar 2026, 10:08 Uhr

Herman Melvilles "Bartleby, der Schreiber" ist keine Geschichte vom Tun, sondern vom Lassen. © Philotheus Nisch/Connected Archives
Wir leben im Zeitalter des Überdrusses; wir haben von allem zu viel und leiden darunter. Herman Melvilles Bartleby gilt als einer der bleichen Propheten dieser Epoche, denn seine Geschichte kündet nicht vom Tun, sondern vom Lassen. Der Schreiber in einer New Yorker Kanzlei weist jeden Befehl seines Vorgesetzten mit der berühmten Replik "Ich möchte lieber nicht" ("I would prefer not to") zurück. Und im weiteren Verlauf der Geschichte lässt er aus freiem Entschluss auch das Schreiben und schließlich das Leben sein.
Der Schriftsteller Karl-Heinz Ott hat die Erzählung Bartleby, der Schreiber, die 1853 in einer New Yorker Zeitschrift erschien, jetzt neu ins Deutsche übertragen, auf flüssige, unauffällige, also gelungene Weise. Seine Übersetzung beweist ein starkes Gespür für das Komische, das vor allem dann aufscheint, wenn der Ich-Erzähler (Bartlebys Vorgesetzter) und die Kanzleikollegen sich an der sanften Sturheit der Titelfigur abarbeiten.