Bulgarien tritt dem Euroraum in einer politischer Dauerkrise bei
Bulgarien tritt der Eurozone bei. Die Bevölkerung ist skeptisch. Politische Instabilität und Korruption überschatten das Projekt. Doch die Wirtschaft hofft auf Investitionen. Von K.-R. Jackisch.

Bulgarien Euro-Beitritt in Zeiten politischer Dauerkrise
Stand: 01.01.2026 07:51 Uhr
Bulgarien tritt der Eurozone bei. Die Bevölkerung ist skeptisch. Politische Instabilität und Korruption überschatten das Projekt. Doch die Wirtschaft hofft auf Investitionen.
Ein neues Motiv schmückt vom neuen Jahr an viele Euro-Münzen: Der Heilige Johannes aus dem Rila-Gebirge ist dann auf der Ein-Euro-Münze Bulgariens zu sehen. Das südosteuropäische Land tritt zum Jahreswechsel als 21. Mitglied der Eurozone bei.
Johannes, der sich als Einsiedler in die Wildnis des Gebirges zurückzog, zeitweise in einer Höhle lebte und von Kräutern ernährte, ist der bedeutendste Heilige des Landes, Schutzpatron der Bevölkerung und Gründer des berühmtesten Kloster des Landes.
Viele Beobachter hoffen, dass Johannes dem Land etwas Glück bringt: Denn nach Pleiten, Pech und Pannen schafft es Sofia nur mit Ach und Krach, dem Euroraum nun endlich beizutreten. Mindestens zwei Anläufe schlugen fehl.
Kroatien als negatives Vorbild?
Eigentlich sollte Bulgarien schon 2024 die Eurozone erweitern, doch Schlamperei der Regierung bei den Vorbereitungen und das Verfehlen der Aufnahmekriterien machten einen Strich durch die Rechnung. Vor allem die hohe Inflation, die zeitweise zweistellige Raten erreichte, machte den Beitritt unmöglich.
Auch jetzt drücken EZB und EU-Kommission beide Augen zu. Denn der von ihnen festgelegte Referenzwert von 2,8 Prozent bei der Teuerung erreichte das Land nur ganz knapp (2,7 Prozent) und mit viel gutem Willen. Kritiker sprechen eher von Schönfärberei. Wie schon im Fall von Kroatien, das 2023 der Eurozone beitrat, musste sich die bulgarische Teuerung nicht am Gesamtdurchschnitt aller Mitgliedsstaaten messen lassen.
Für die Berechnung wurden bestimmte Länder mit besonders hoher und besonders niedriger Inflation ausgewählt - damit es schön passte. Im Fall von Kroatien war das ein Fehlschlag: Das Land macht immer wieder Schlagzeilen, weil die Teuerung nach der Euro-Einführung dort besonders hoch ist. Davor haben auch die Bulgaren Angst, weshalb die Euro-Einführung wenig beliebt ist. In den meisten Umfragen spricht sich fast die Hälfte der Bevölkerung skeptisch oder gegen den Euro aus.
Skandale und Misstrauen prägen die Politik
Das Land, gemessen am Bruttoinlandsprodukt das ärmste in der Europäischen Union, leidet unter hoher Armut. Über ein Fünftel der Bevölkerung lebt schon jetzt unter der nationalen Armutsgrenze und hat Probleme, regelmäßig ein Essen auf den Tisch zu bringen. Hinzu kommt, dass die Bulgaren kein großes Vertrauen in ihre Staatsführung haben. Seit 2021 gab es sieben Parlamentswahlen, und die nächste steht schon wieder an.
