Chromebooks für Schulen ohne Internet: Indonesischer Ex-Minister vor Gericht
Der ehemalige Bildungsminister Indonesiens soll Chromebooks für die Schulen des Landes besorgt haben, obwohl diese ungeeignet waren. Jetzt steht er vor Gericht.
In Indonesien hat ein Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Bildungsminister begonnen, dem Korruption im Zuge der Digitalisierung von Schulen und der Beschaffung von Chromebooks vorgeworfen wird. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, laut der die Anklage davon ausgeht, dass sich Nadiem Makarim dabei um fast 50 Millionen US-Dollar bereichert hat. Dem indonesischen Staat seien insgesamt sogar rund 126 Millionen US-Dollar verloren gegangen. Vor der Ausschreibung sollen unter anderem die üblichen Preise nicht ermittelt worden sein. Der Ex-Minister bestreitet die Vorwürfe. Sollte er in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen werden, drohen ihm 20 Jahre Gefängnis.
Internetversorgung an Schulen nicht ausreichend
Makarim hat das Fahrdienstvermittlungsunternehmen Gojek mitgegründet, das in Indonesien rasch enormen Erfolg hatte. Als er 2019 Bildungsminister wurde, hat er seinen Posten als CEO aufgegeben; der Regierung gehörte er dann fünf Jahre an. In diese Zeit fiel eine Ausschreibung für die Beschaffung von Laptops für Schulen in dem Land. Laut Reuters wird dem Ex-Politiker vorgeworfen, dass die Spezifikationen dabei genau so formuliert waren, dass lediglich die Chromebooks von Google und das zugehörige Betriebssystem sie erfüllen konnten. Dabei funktionieren diese nur mit einer Internetanbindung richtig und eine solche gibt es nicht an allen Schulen des Landes.
Wie Reuters weiter ausführt, soll sich Makarim kurz vor der erwartbaren Entscheidung für die Chromebooks mehrfach mit Vertretern von Google getroffen haben. Der US-Konzern soll zu dieser Zeit auch sein Investment in den Mutterkonzern von Makarims Ex-Unternehmen Gojek erheblich aufgestockt haben. Den damit verbundenen Vermögenszuwachs für den Politiker beziffert die Anklage demnach mit etwa 48 Millionen US-Dollar. Weder Google noch Gojeks Nachfolgeunternehmen kommentieren die Vorwürfe, berichtet Reuters. Neben Makarim müssen sich noch weitere Personen vor Gericht verantworten.
(mho)