Darts-WM: Zu gut für den Ally Pally
Der erst 18-jährige Luke Littler verteidigt seinen Titel mit beunruhigender Leichtigkeit. Aufhalten kann ihn weder das gelangweilte, buhende Publikum – noch eine Wespe.
Der erst 18-jährige Luke Littler verteidigt seinen Titel mit beunruhigender Leichtigkeit. Aufhalten kann ihn weder das gelangweilte, buhende Publikum – noch eine Wespe.
4. Januar 2026, 9:59 Uhr
Ihr Browser unterstützt die Wiedergabe von Audio Dateien nicht. Download der Datei als mp3: https://zon-speechbert-production.s3.eu-central-1.amazonaws.com/articles/fa932f3b-ba5e-4397-93ee-2b4ce8f39056/full_f39bfa81251c8b600b9b6db1c4ee939b441f607d7fdc252e92a42244e9d4fc0aebb40f68918bd1865fc9a24fc66b15da.mp3

Luke Littler im Finale der Darts-WM © Warren Little/Getty Images
Zu Turnierbeginn war noch zu erwarten, dass dieses längste aller Dartsturniere – mit 128 Teilnehmern nun größer und länger denn je – den amtierenden, erst 18-jährigen Weltmeister von 2025, Luke Littler, mürbe machen würde. Wie alle Weltmeister seit 2016. Keinem war es in den vergangenen zehn Ausgaben gelungen, seinen Titel zu verteidigen. Nicht einmal dem einstigen Dauerdominator Michael van Gerwen.
Zum Turnierende muss man über den Dartsweltmeister von 2026, Luke Littler, sagen: Sein Sieg war nie gefährdet.
Littlers 7:1-Triumph im Finale lief wie fast alle seiner Matches im Turnier. Zwar gelang es dem Herausforderer, in diesem Fall dem 23 Jahre jungen Niederländer Pieter Gerard "Gian" van Veen, den ersten Satz zu gewinnen. Auch die meisten anderen Gegner auf Littlers Finalweg machten dem jungen Engländer den ersten Satz streitig oder gewannen ihn. Doch das reizte Littler nur, ein Niveau zu spielen, das kein anderer WM-Teilnehmer erreichte.
Der geborene Darter
Ein Niveau, das ihn als neuen Typus eines Pfeilsportlers zu offenbaren scheint: den nativen Darter. Schon im Kleinkindalter begann Littler, dauer- und ernsthaft den Sport zu betreiben, begünstigt von der immer breiteren Popularität des Darts ab den 2000ern. Seinem Wurfstil wohnt somit eine natürliche Selbstverständlichkeit inne, wie man sie in vielen Sportarten nur durch frühe Praxis erlangt. Eine frühe Praxis, die den meisten seiner älteren Konkurrenten, die später zum Darts kamen, fehlt.
Im Finale äußerte sich das in den oft perfekt geworfenen drei Darts, den 180, mit denen Littler die meisten aller Legs eröffnete. Von diesen Legs gilt es im WM-Modus des Pfeilsports drei zu gewinnen, um einen Satz zu holen, von denen es im Finale wiederum sieben zum WM-Titel braucht. Die andauernde Anfangspräzision Littlers zwang dessen Gegner, mit ebenso hochgenau geworfenen Pfeilen zu starten. Diesem Dauerdruck hielt kein Konkurrent stand.
Auch nicht Gian van Veen, der sich im Turnierverlauf als einziger hervorgetan hatte, der auf Littlers Level spielen könnte. Der junge Niederländer, studierter Luftfahrtingenieur und doppelter Jugend-WM-Champ, ist seit drei Jahren auf der Tour. Seine Leistungskurve stieg anfangs gemächlich, doch beständig, ging dann immer steiler nach oben. Bei dieser WM warf er die Ex-Weltmeister Luke Humphries und Gary Anderson raus. Zu Luke Littlers Level, so zeigte sich, war er jedoch noch lange nicht aufgestiegen.
Die Erzfeinde der Fans
Auch van Veen konnte ab Satz zwei dem nun so jungen Doppelweltmeister nicht folgen. Die Folge: Littler bekam im Vergleich zu van Veen mehr als doppelt so viele Versuche auf die kleinen Doppelfelder, die man zum Beenden eines Legs treffen muss – was Littler ungefähr so selbstsicher und beiläufig gelang wie dem gemeinen WM-Besucher das Ordern eines Pitchers Lagerbier.
Das alkoholfreudige und zumeist aufgeputschte Publikum im Alexandra Palace, in der kultigen, liebevoll Ally Pally genannten Austragungsstätte der Pfeile-WM, sorgte indes für eine der wenigen Irritationen auf Littlers Weg zum neuerlichen Titelgewinn: Es buhte den Jungweltmeister aus. Offensichtlich eine ungewohnte Situation für Littler.
Das Dartswunderkind war 2024 bei seiner Debüt-WM unter frenetischem Jubel ins Finale und 2025 zum Titel getragen worden. Damals umwehte ihn jedoch die Aura des Neuen, des Besonderen und – trotz seiner schon damals beeindruckenden Leistung – des Underdogs. Und die liebt die Crowd des Ally Pally.
Dominanz, Vorhersehbarkeit und kurze Partien gehören hingegen zu den erklärten Erzfeinden der Fans. Zur WM 2026 verkörpert Littler, der in seinem Leben nur ein einziges WM-Match verloren hat, mittlerweile genau diese Dreifaltigkeit des Dartschreckens. Als der Ex-Weltmeister Rob Cross im Achtelfinale als einziger Gegner der WM gegen Littler zwei Sätze gewann und sich anschickte, ihm gefährlich zu werden, nutzte das Publikum die ihm gegebene Macht, in Athleten Unsicherheit und damit Drama und Spannung auszulösen. Es buhte bei wichtigen Würfen Littlers.