Darum kämpfen in Syrien Kurden und Armee gegeneinander
13 Monate nach dem Sturz von Diktator Assad wird in Syriens zweitgrößter Stadt Aleppo wieder geschossen. Was hinter den Kämpfen zwischen Armee und Kurden steckt - und welche Rolle die Türkei spielt. Von Tim Kukral.

Eskalation in Aleppo Darum geht es bei den Kämpfen in Syrien
Stand: 09.01.2026 16:49 Uhr
13 Monate nach dem Sturz von Diktator Assad wird in Syriens zweitgrößter Stadt Aleppo wieder geschossen. Was hinter den Kämpfen zwischen Armee und Kurden steckt - und welche Rolle die Türkei spielt.
Von Tim Kukral, zurzeit ARD-Studio Kairo
Sultana Ibrahim ist verzweifelt: "Wir haben kein Wasser, keinen Strom, gar nichts mehr", sagte die 41-jährige Kurdin einem ARD-Team. "Die Kinder haben Hunger und es gibt keine Milch für sie." Ibrahim harrt mit ihrer Familie im Viertel Scheich Maksoud aus.
Die syrischen Behörden hatten die Bewohner von Scheich Maksoud und Aschrafija, zwei Vierteln im Norden der Großstadt Aleppo, zur Flucht aufgefordert: zu ihrer eigenen Sicherheit. Doch dafür blieb den Bewohnern nur wenige Stunden Zeit, dann griffen die von Islamisten dominierten Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Milizen die Stadtteile erneut an.
Aleppo unter Artilleriefeuer
Aufnahmen zeigten am Donnerstag heftigen Artilleriebeschuss und Explosionen. Ibrahim verfolgt die Nachrichten auf ihrem Smartphone, hört gleichzeitig mit eigenen Ohren den Artilleriebeschuss.
Schon vor der Aufforderung der Behörden waren zehntausende Bewohner aus den betroffenen Stadtteilen geflüchtet. Die 41-Jährige ist mit ihrem Mann und ihren Kindern trotz allem geblieben: "Ich weiß nicht, wohin wir gehen sollen", sagt sie. Außerdem arbeite ihr Mann in einer Bäckerei: Diese sei eine der letzten, die noch Brot backen für die verbliebenen Bewohner des Viertels, erzählt sie.
Seit Dienstag toben in den überwiegend von Kurden bewohnten Stadtteilen im Norden der Millionenstadt Aleppo Kämpfe. Dabei wurden mehrere Menschen getötet, darunter auch Frauen und Kinder: Angaben zu den Opfern variieren, in Medien ist von sieben bis 22 Toten die Rede. Laut kurdischen Angaben sind mehr als 140.000 Menschen vertrieben worden. Am Freitag war die Lage zunächst ruhiger als an den Tagen zuvor.
Konflikt um Eingliederung in die Armee
Die syrische Übergangsregierung wirft kurdisch dominierten Kräften vor, sie würden die Viertel als Rückzugsort für ihre Kämpfer nutzen und dort Geschütze stationieren. Beim Beschuss durch die Armee handle es sich um eine gezielte Operation gegen diese Stellungen.
Die Regierung wirft den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) außerdem vor, sich nicht wie vereinbart in die reguläre syrische Armee einzugliedern. In einem Abkommen hatten beide Seiten im März vereinbart, dass die zivilen und militärischen Institutionen der Kurden bis Ende 2025 in die syrische Zentralregierung und Armee integriert werden sollten - doch das ist bislang nicht passiert.