Der Deutsche Wetterdienst warnt vor einer "extremen Lage"
SOURCE:Tagesschau
Schulen geschlossen, Verkehr eingeschränkt, Müll bleibt liegen - der Winter hat Deutschland fest im Griff. Schon jetzt sind die ersten Auswirkungen des angekündigten Sturmtiefs "Elli" zu spüren. Dabei kommt das Unwetter erst noch, sagen Meteorologen.

Wintersturm "Elli" Warnung vor "extremer Lage"
Stand: 08.01.2026 16:27 Uhr
Schulen geschlossen, Verkehr eingeschränkt, Müll bleibt liegen - der Winter hat Deutschland fest im Griff. Schon jetzt sind die ersten Auswirkungen des angekündigten Sturmtiefs "Elli" zu spüren. Dabei kommt das Unwetter erst noch, sagen Meteorologen.
Die ersten starken Schneefälle gab es im Norden schon - doch das war nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt, warnt Danijel Stanic aus dem ARD-Wetterkompetenzzentrum in Frankfurt am Main. Am Abend sollen die ersten Ausläufer des Sturmtiefs "Elli" den Südwesten erreichen. Dort geht der Schnee in Regen über und es kann glatt werden. In der Mitte Deutschlands sollen bis zu 15 Zentimeter Schnee fallen. Im Norden bleibt es noch eher trocken.
Schnee, Wind und Regen - es kann gefährlich werden
Am Freitag breiten sich die Schneefälle dann bis zur Elbe aus. "Das wird schon eine extreme Lage", sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes DWD in Potsdam. In einem Streifen von der Nordsee bis in den Osten hinein können verbreitet um die zehn oder regional bis zu 20 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. Für die Region von Ostfriesland bis Hamburg sowie große Teile Schleswig-Holsteins hat der DWD aktuell eine Unwetterwarnung (Stufe drei von vier) ausgesprochen.
"Es kann gefährlich werden", sagt auch ARD-Wetterexperte Stanic. Durch Sturmböen können Schneeverwehungen entstehen. Spaziergänge, vor allem im Wald, solle man vermeiden, denn durch die Schneelast könnten Äste von Bäumen abbrechen.
Ausfälle und Verspätungen bei Bussen und Bahnen
In Hamburg gab es am Donnerstag Ausfälle und Beeinträchtigungen bei den S- und U-Bahnen sowie im Busverkehr, wie die Betreiber erklärten. Auch Strecken im Regionalverkehr der Bahn in Schleswig-Holstein und Niedersachsen waren teils betroffen. Im Fernverkehr wurden unter anderem zwischen Hamburg, Kiel, Rostock, Kopenhagen, Hannover und dem Ruhrgebiet Verbindungen gestrichen. Auf mehreren Schnellstrecken, darunter zwischen Berlin und Wolfsburg sowie Köln und Frankfurt am Main, wurde zudem die Geschwindigkeit gesenkt, was zu Verspätungen führen kann.
Für vorab gekaufte Bahntickets für Fernreisen zwischen Freitag und Sonntag hob die Bahn aufgrund der Witterungslage die Zugbindung auf. Reisende sollten sich vor Reisebeginn über die Lage informieren und auf nicht nötige Fahrten verzichteten, erklärte der Konzern weiter.
Einige Fähren von und zu den Ostfriesischen Inseln werden am Freitag voraussichtlich nicht fahren.
Im Fernverkehr der Bahn wurden bereits zahlreiche Züge gestrichen. Der Konzern rät dazu, auf nicht nötige Fahrten zu verzichten.
Unfälle auf glatten Straßen
Im Straßenverkehr gab es bereits zahlreiche Unfälle mit teilweise tödlichem Ausgang. Bei Gehrde in Niedersachsen starb am Donnerstagmorgen ein Autofahrer, als er nach Polizeiangaben auf einer glatten Bundesstraße die Kontrolle über seinen Wagen verlor und gegen einen Baum prallte. In Baden-Württemberg starb ein 86-Jähriger, nachdem er am Mittwoch in Villingendorf von einem abbiegenden Räumfahrzeug erfasst worden war.
In Hessen rief das Innenministerium dazu auf, am Freitag auf unnötige Auto- und Fahrradfahrten zu verzichten. Das Land sei voraussichtlich zwar weniger stark betroffen, trotzdem drohten witterungsbedingte Gefahren, erklärte Innenminister Roman Poseck (CDU). Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste bereiteten sich dementsprechend vor. In Köln warnte die Stadtverwaltung vor Astabbrüchen durch Sturm, Schnee und gefrierenden Regen. Wälder und Parks sollten gemieden werden.
Unterricht an Schulen fällt aus - Müllabfuhr kommt nicht
In Hamburg, Bremen, Teilen Schleswig-Holsteins sowie etlichen Landkreisen in Niedersachsen entschieden die Behörden, den Präsenzunterricht an Schulen am Freitag ausfallen zu lassen. Der Hamburger Senat und der Landesfeuerwehrverband in Schleswig-Holstein riefen die Menschen auf, am Freitag möglichst zu Hause zu bleiben und unnötige Wege zu vermeiden.
In Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg war es Eltern nach Angaben der Landesregierungen freigestellt, ihre Kinder wegen der Witterung am Freitag zu Hause zu lassen. In Mecklenburg-Vorpommern sollte in zwei Kreisen zudem der Schülerverkehr mit Bussen am Freitag ausfallen. Die Schulen in den drei Bundesländern bleiben aber offen.
In Niedersachsen wird in vielen Regionen wegen des Wetters der Müll nicht abgeholt, weil Fahrzeuge der Entsorgungsbetriebe wegen glatter Straßen nicht überall durchkommen. Auch in Hamburg gibt es aufgrund von Schnee und Glätte derzeit teils Einschränkungen bei der Müllabfuhr.
CDU sagt Klausurtagung ab
Auch die Politik bleibt vom Schnee-Chaos nicht verschont. Der CDU-Vorstand hat seine Klausurtagung in Mainz wegen der Wetterwarnungen kurzfristig abgesagt. Man werde aber eine virtuelle Präsidiumssitzung abhalten, um einige Beschlüsse zu fassen, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Besuch bei der CSU-Klausurtagung in Bayern.
Zu der CDU-Klausurtagung am Freitag und Samstag waren 350 Teilnehmer sowie rund 100 Medienvertreter erwartet worden. Die Partei wollte damit ins Wahljahr 2026 mit fünf Landtagswahlen starten. Unter anderem war geplant, eine "Mainzer Erklärung" zu verabschieden, in der es vor allem um die Ankurbelung der Wirtschaft geht.
Bundesliga-Spiele sollen stattfinden
Auf die Fußball-Bundesliga hat der erwartete Wintersturm bisher keine Auswirkungen. "Die DFL ist alarmiert. Aktuell finden aber alle Spiele statt", sagte ein Sprecher der Deutschen Fußball Liga auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Man schaue vor allem auf die Situation im Norden und bewerte die Situation täglich neu.
Schon jetzt gab es Aufrufe von Fanclubs, beim Schneeschippen zu helfen. Am Stadion von Union Berlin befreiten einige Fans die Wege und Einlasstore von Eis und Schnee, damit die Partie am Samstag gegen Mainz stattfinden kann.
Noch ist keines der Spiele in der Fußball-Bundesliga abgesagt worden. Die DFL will die Lage beobachten und dann entscheiden.
Hilfe für Wohnungslose gefordert
Angesichts der eisigen Temperaturen warnen Sozialverbände vor dem Kältetod obdachloser Menschen. "Für Menschen, die auf der Straße leben, wird es mitunter lebensgefährlich", sagte Elke Ronneberger, Vorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. Städte und Gemeinden seien gefordert, mehr warme Orte bereitzustellen und zu finanzieren.
Es komme in diesen Tagen darauf an, dass niemand wegschaue, betonte die Landesverbandsvorsitzende des Paritätischen Niedersachsen, Kerstin Tack. "Jede Begegnung kann Leben retten: Menschen ansprechen, Hilfe anbieten und bei gesundheitlichen Warnzeichen sofort den Notruf wählen.“
Derzeit leben laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe bundesweit rund 56.000 Menschen auf der Straße.
Weitere Länder von Wintersturm betroffen
Auch in Großbritannien und Frankreich bereiten sich die Bewohner auf den schweren Wintersturm vor: Die Wetterdienste beider Länder warnten vor starkem Wind und heftigen Schneefällen. Der britische Wetterdienst Met Office gab für mehrere Regionen Unwetterwarnungen heraus. Vor allem in Wales und den englischen Midlands ist demnach mit erheblichem Schneefall zu rechnen. Auch im Süden Englands wird demnach viel Schnee erwartet. An den Küsten im Südwesten Englands drohen zudem Sturmböen von 95 bis 110 Kilometern pro Stunde.
Der französische Wetterdienst warnte vor Sturmböen von bis zu 160 Kilometern pro Stunde, insbesondere im Département Manche an der Küste des Ärmelkanals, wo die höchste Unwetterwarnstufe ausgerufen wurde. Die Präfektur rief die Menschen auf, zu Hause zu bleiben und nicht mit dem Auto zu fahren. In der Region kommt es auch zu Einschränkungen im Bahnverkehr.