Design-Kritik: Bricht macOS Tahoe mit Apples Prinzipien?
Apples jüngste Designänderung in macOS Tahoe, jedem Menüeintrag ein Icon hinzuzufügen, sorgt für Diskussionen. Kritik kommt vor allem von Entwicklern.
Die Diskussionen über Apples jüngste Designveränderungen reißen nicht ab: Nach Kritik am Liquid-Glass-Design und neuen App-Icons geht es jetzt um die Veränderung in macOS Tahoe, jedem Menüeintrag ein Icon hinzuzufügen. Der Berliner Softwareentwickler Nikita Prokopov hat in einem Blogpost dargelegt, dass Apple damit eigenen klaren Designvorstellungen widerspricht, die das Unternehmen erstmals im Jahr 1992 schriftlich dargelegt hat.
In den Human Interface Guidelines hieß es Prokopov zufolge, dass die Zahl grafischer Elemente begrenzt werden sollte, um die Nutzbarkeit zu verbessern. Zu viele komplexe Icons würden die Oberfläche überladen. Prokopov argumentiert, dass Icons eigentlich helfen sollen, Dinge schneller zu finden – wenn aber jedes Element ein Icon habe, hebe sich nichts mehr ab.
Unterschiedliche Icons für die gleichen Funktionen
Das bis vor kurzem von Alan Dye geführte Designteam Apples ist im Zuge des Redesigns der Betriebssysteme offenbar zu anderen Überzeugungen gekommen. Ob der Weggang von Dye zu Meta oder das Feedback der Nutzer in künftigen Versionen zu einer Nachbesserung führen wird, ist derzeit noch nicht absehbar.
Die Kritik des Softwareentwicklers aus Berlin, die von dem US-amerikanischen Apple-Blogger John Gruber geteilt wird, geht aber noch weiter: In dem mit etlichen Beispielen bebilderten Blogpost legt er ferner dar, dass Apple in seiner Software für die gleichen Funktionen unterschiedliche Icons verwendet. Dies sei inkonsistent und eine schlechte Designumsetzung, kritisiert Prokopov. Auch finden an einigen Stellen bekannte System-Symbole wie das der Tastatur-Kombinationen in anderen Kontexten Verwendung, was Nutzer verwirre. Andere Icons bestehen nur aus Text, sodass keine klare Unterscheidung möglich sei, wo das Icon aufhöre und der Text beginne.
Breite Kritik von Designern
Auch zu feine Unterschiede, zu viele Details auf zu wenig Raum, verwirrende Metaphern und fehlende Symmetrie werden beanstandet. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der Designer und Programmierer Jim Nielsen in einem eigenen Blogpost. Er sei „müde von all dem optischen Rauschen“, beklagt er und weist darauf hin, dass Apple seine Haltung in dieser Frage auch in späteren Fassungen der Interface Guidelines immer wieder bekräftigt habe.
Gruber äußert indessen die Ansicht, dass „kein echter UI- oder Icon-Designer“ denke, dass die Änderung eine gute Idee sei. Der bekannte Autor und Podcaster gilt erklärtermaßen als großer Kritiker von Alan Dye, unter dessen Regie Apple die größte Designveränderung seit Jahren vorgenommen hat.
(mki)