Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Wie sich die Winterdienst-Krise jetzt einfach lösen ließe
Das Elbvertiefungs-Schnee-Spezial am Mittwoch – mit Aussicht auf ein stürmisches Wochenende, möglichem Unterrichtsausfall und 44 Kilogramm Kokain
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8. Januar 2026, 6:00 Uhr
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© picture alliance/dpa|Markus Scholz
Liebe Leserin, lieber Leser,
treffen sich zwei Schneeflocken, sagt die eine: Komm, wir sorgen in Hamburg für ein bisschen Chaos. Sagt die andere: Ach, das schaffst du auch allein.
Diesen Witz erzählte mir ein Kollege in der Kantinen-Schlange, und tatsächlich kann man seit ein paar Tagen in Hamburg kaum einen Schritt tun, ohne in ein Gespräch darüber verwickelt zu werden, was die Mitarbeiter des Winterdienstes eigentlich beruflich machen.
Ich verstehe das. Aber es trifft die Falschen.
Die Leute vom Winterdienst sind um ihren Job nicht zu beneiden, sie rackern sich ab, ohne dass ihr Tun merklich Erfolg zeitigen würde: Die größeren Straßen sind bestens befahrbar, alle anderen – sowie die Fuß- und Fahrradwege – sind vereist und teils spiegelglatt, jeder kämpft da für sich allein.
Das aber ist nicht das Versagen des Winterdienstes, sondern sein Auftrag: Große Straßen frei, Rest egal. Und dieser Auftrag ist eine politische Entscheidung – die man so treffen kann, aber auch anders treffen könnte. Dass sie so getroffen wurde, wie sie getroffen wurde, ist sogar plausibel – in einer Stadt, in der es nur alle 15 Jahre nennenswert schneit, sind die Ressourcen fürs Schneeräumen nachvollziehbarerweise begrenzt, und irgendwo muss man anfangen.
Es ist aber ein Fehler, ein paar Meter weiter wieder aufzuhören. Und nur weil eine Entscheidung plausibel ist, muss sie nicht richtig sein – diese ist es nicht, denn sie gefährdet gerade die Gesundheit von Tausenden Hamburgerinnen und Hamburgern, und es ist, wie es ist: Für viele von ihnen fängt Staatsversagen schon bei einem schlecht geräumten Trottoir an.
Um das alles zu debattieren (und in der Folge hoffentlich auch zu ändern), bleibt nicht viel Zeit – der Schnee von gestern ist, sobald er getaut ist, schnell vergessen. Jetzt gerade aber liegt das Eis auf den Wegen, jetzt müssen schnelle, pragmatische Lösungen her. Ist es etwa wirklich nötig, dass gerade 100 Kontrolleure durch die Stadt ziehen und nachsehen, ob die Hamburger Hauseigentümer ordnungsgemäß geräumt haben, um gegebenenfalls Bußgelder zu verhängen? Wenn die alle eine Schaufel und ein Eimerchen Salz in die Hand bekämen, hätte der Winterdienst schon 100 Mitarbeiter mehr. Und vielleicht könnten ja auch die Kräfte, die gerade – nur so eine Idee – an der Hamburger Olympia-Kampagne arbeiten, sich für ein paar Tage nützlich machen? Es wäre ein starkes Signal für Zusammenhalt, Flexibilität und Sportsgeist.