"Endlose Ketten": Kein Fortschritt am laufenden Band
Das Fließband kolonisierte erst die Arbeitswelt und dann auch die Freizeit. Yves Pagès schreibt in "Endlose Ketten" über eine Maschine, die den Takt schlägt.
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Der Essayist Yves Pagès über eine Maschine, die Wege verkürzen und den Takt schlagen sollte.
Aus der ZEIT Nr. 51/2025 Aktualisiert am 2. Januar 2026, 13:28 Uhr

Durch die Arbeit am Fließband wird der Mensch selbst Teil der Maschine: Ausschnitt aus dem Charlie-Chaplin-Klassiker "Modern Times" © ddp
Der Fordismus mag erledigt sein, doch seine Maschinen laufen weiter, wie eine Armee von Zombies. Das ist schließlich ihr Prinzip: endlose Bewegung. Diese Maschinen sind enge Verwandte des Fließbands, das Henry Ford ab 1913 in seinen Autofabriken einsetzte, und auch wenn wir wirtschaftshistorisch längst im "Postfordismus" angekommen sind, halten sie uns auf Trab: als Rolltreppen im Kaufhaus (seit 1898), als Kassenband im Supermarkt (seit 1955), als Sushi-Karussell (seit 1958), als Laufband im Fitnessstudio (seit etwa 1969). So jedenfalls lautet die These des französischen Autors Yves Pagès, dessen Buch Endlose Ketten davon erzählt, wie das Fließband erst die Arbeitswelt kolonisierte und dann auch die Freizeit.