Energiewende: Bayernwerk: Zehntausende Kilometer neue Stromleitungen
1. Januar 2026, 5:00 Uhr Quelle: dpa Bayern

«Leitungsbau»: Dieses Verkehrsschild wird in Bayern in den nächsten Jahren womöglich häufiger zu sehen sein. (Symbolbild) © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Das Bayernwerk will in den nächsten Jahren zehntausende Kilometer neuer Stromleitungen bauen. Auslöser ist der Umbau der Stromversorgung auf erneuerbare Energien. «Wir bauen bis 2030 ungefähr 40.000 Kilometer Mittel- und Niederspannungsleitungen, das entspricht einmal rund um den Äquator», sagte Vorstandschef Egon Westphal der Deutschen Presse-Agentur. Hinzu kommen nach Worten des Managers noch tausend Kilometer Hochspannungsleitung, die Ertüchtigung von an die 300 Umspannwerken und die Digitalisierung der Netzsteuerung. Das Unternehmen veröffentlichte zum Jahreswechsel seinen neuen Netzausbauplan für die kommenden Jahre.
Das Bayernwerk mit Sitz in Regensburg ist eine Tochter des Energiekonzerns Eon und betreibt etwa 180.000 Kilometer Stromleitungen - damit ist das Unternehmen der größte regionale Verteilnetzbetreiber im Freistaat. Das Netzgebiet umfasst große Teile Oberbayerns, Niederbayerns, der Oberpfalz sowie Ober- und Unterfrankens.
Umbau der Stromerzeugung macht Umbau des Stromnetzes erforderlich
Anlass des neuen Netzausbauplans ist die Energiewende. Die mit dem Ausstieg aus Atomkraft und fossilen Energien verbundene Umstellung der Stromerzeugung zieht entsprechenden Änderungsbedarf im Stromnetz nach sich. «Das ist eine Entfesselungsgeschichte», sagt Westphal. «Die erste Phase war stark geprägt vom schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien. Wir haben allein in diesem Jahr bis Mitte Dezember rund 60.000 neue Anlagen mit einer Leistung von über 2.000 MW angeschlossen.» Das Bayernwerk sei mittlerweile ein «wetterabhängiges Großkraftwerk». Die zweite Phase sei der Netzausbau und die dritte die «Entfesselung des neuen Energiesystems», sagte Westphal.
Über eine Million «Einspeiser» werden Strom erzeugen
Das künftige System wird sich nach Worten des Bayernwerk-Chefs vom alten grundlegend unterscheiden. «Es gibt nicht mehr einige wenige Großkraftwerke, die Strom produzieren, sondern über eine Million Einspeiser», sagte Westphal mit Blick auf Solaranlagen und Windräder. «Wir gehen davon aus, dass sich der Stromverbrauch in unserem Netzgebiet bis 2045 verdoppeln und die Erzeugungsleistung der Erneuerbaren sich verdreifachen wird.» Den Bedarf an zusätzlicher gesicherter Stromerzeugungsleistung bis 2030 bezifferte Westphal auf 7.000 Megawatt.
«Es ist ein rasender Veränderungsprozess. Das ist sehr herausfordernd, eröffnet aber auch viele neue Chancen und Möglichkeiten.» Das Bayernwerk sei ein «Reallabor im operativen Betrieb».
Großer Zubau an Batteriespeichern zu erwarten
Der hohe Stromleitungs-Baubedarf erklärt sich daraus, dass nicht nur kontinuierlich neue Solaranlagen und Windräder angeschlossen werden wollen, sondern in zunehmendem Maß auch Speicher. «Nun zählt nicht mehr allein der Zubau von Photovoltaikanlagen oder Windanlagen, sondern die Frage, wie bringen wir das alles zusammen», sagte Westphal. «Wir haben Anschlussbegehren für 77.000 Megawatt Stromspeicher erhalten.»
Bayern und Batteriespeicher seien ein gutes Match, doch Voraussetzung sei ein möglichst netzdienlicher Betrieb der Speicher - was bedeutet, dass deren Laden und Entladen das Netz nicht noch zusätzlich belasten soll. «In den nächsten Jahren wird dann noch das bidirektionale Laden hinzukommen», sagte Westphal. Das bezieht sich darauf, dass mittlerweile erste Elektroauto-Modelle nicht nur Strom laden, sondern diesen als vierrädrige Batterie auch wieder ins Netz abgeben können, wenn das Fahrzeug nicht gefahren wird. «Über allem schwebt jetzt die Erkenntnis: Infrastruktur wird knapper», sagte Westphal. «Netzanschlüsse und Netzkapazitäten sind das neue Gold.»
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