Fanni Fetzer: "Ärger ist gut! Da ist Reibung drin"
Fanni Fetzer, die Direktorin des Kunstmuseums Luzern, möchte mit ihren Ausstellungen möglichst viele Besucher erreichen. Trotzdem sind ihr manche lieber als andere.
Touristen, Kinder, Kunstbanausen: Fanni Fetzer möchte mit ihren Ausstellungen im Kunstmuseum Luzern möglichst viele Menschen erreichen. Trotzdem sind ihr manche Besucher lieber als andere.
Aus der ZEIT Nr. 01/2026 Aktualisiert am 4. Januar 2026, 15:08 Uhr
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"Wir sehen uns als Teil der touristischen Infrastruktur", sagt Fanni Fetzer über ihr Museum. © Marc Latzel
DIE ZEIT: Frau Fetzer, Sie sind Direktorin des Kunstmuseums Luzern, in einer Stadt, die selbst wie gemalt aussieht: die pittoreske Altstadt, der Vierwaldstättersee, im Hintergrund die Alpen. Wozu braucht es da noch ein Museum mit schönen Bildern?
Fanni Fetzer: Der Wettbewerb mit der Schönheit der Landschaft ist in Luzern wirklich hart. Wenn man aus dem Bahnhof kommt, wird man von ihr fast erschlagen. Vielleicht fährt gerade noch ein Dampfschiff in den Hafen ein. Darum liebe ich es, wenn es regnet.
ZEIT: Weil dann nicht nur Kunstliebhaber, sondern auch Touristen zu Ihnen kommen?
Fetzer: Ja! Wir sehen uns als Teil der touristischen Infrastruktur. Individualreisende kommen für zwei, drei Tage nach Luzern. Sie machen eine Schifffahrt, fahren mit der Bahn auf den Pilatus, besuchen am Abend ein klassisches Konzert im Kultur- und Kongresszentrum KKL – und tagsüber kommen sie bei uns im Kunstmuseum vorbei, das im selben Haus untergebracht ist.
ZEIT: Was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Fetzer: Im Sommer, wenn die meisten Gäste hier sind, richten wir unser Programm nach ihnen aus und machen Ausstellungen, die sehr zugänglich sind und vielen Freude bereiten. Im Frühling sind wir eher eine Kunsthalle und zeigen experimentellere Kunst. Zum Jahresende präsentieren wir Kunst aus der Zentralschweiz.
ZEIT: In der Hochsaison machen täglich bis zu 280 Reisecars einen Halt in Luzern. Kommen die zu Ihnen?
Fetzer: Nein, von denen kommt niemand. Die Reisebüros, die diese Arrangements verkaufen, setzen auf Attraktionen, die sich nicht verändern: das Löwendenkmal, die Kapellbrücke, die Bijouteriegeschäfte. Wenn sie Kunst im Programm haben, dann gehen sie in die Sammlung Rosengart, wo das ganze Jahr über dieselben berühmten Kunstwerke zu sehen sind. Als Museum, das seine Ausstellungen alle dreieinhalb Monate wechselt, passen wir da nicht ins Konzept. Zu uns kommen Individualreisende.