Frankreich: Bauern blockieren Paris wegen Mercosur-Abkommen
Mit Dutzenden Traktoren haben französische Landwirte die Straßen nach Paris blockiert. Auch in Deutschland gehen viele Bauern auf die Straße. Hintergrund ist ein umstrittenes Handelsabkommen.

Stand: 08.01.2026 12:35 Uhr
Mit Dutzenden Traktoren haben französische Landwirte die Straßen nach Paris blockiert. Auch in Deutschland gehen viele Bauern auf die Straße. Hintergrund ist ein umstrittenes Handelsabkommen.
In Frankreich haben am Morgen zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte gegen das geplante EU-Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten protestiert. Dabei blockierten sie im morgendlichen Berufsverkehr Autobahnen und Zufahrtstraßen in die Hauptstadt Paris.
Zudem überrannten die Protestierenden Polizeikontrollen und fuhren die berühmte Straße Champs Elysees im Pariser Stadtzentrum entlang. Laut dem französischen Verkehrsministerium verursachten sie damit ungefähr 150 Kilometer Stau.
Landwirte blockieren Straßen in Paris aus Protest gegen das geplante Mercosur-Handelsabkommen.
Demonstrationen gegen Freihandelszone
Mit den Protesten wollen die Landwirte die Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens verhindern, über das die EU-Mitgliedstaaten morgen abstimmen sollen.
Es geht dabei um die weltweit größte Freihandelszone zwischen der EU und den Ländern Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Viele Landwirte befürchten, dass die EU dadurch mit billigen Lebensmitteln aus Südamerika überschwemmt wird.
Proteste und Blockaden auch in Deutschland
Auch in Deutschland kritisieren viele Bauern das geplante Handelsabkommen. Unter anderem blockierten sie am Morgen Autobahnauffahrten zur A4 in Thüringen und zur A9 in Sachsen-Anhalt. Außerdem gibt es den ganzen Tag lang umfangreiche Demonstrationen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
Bisher ist unklar, ob das Handelsabkommen eine Mehrheit unter den EU-Staaten finden wird. Deutschland und Spanien befürworten die Freihandelszone, da sie entscheidend für die Ankurbelung von Exporten und die Unabhängigkeit von China sei. Italien und Frankreich, die größten Agrarproduzenten der EU, stellen sich wiederum dagegen.
EU-Kommission: Unterzeichnung nächste Woche möglich
Die EU-Kommission hofft, die beiden Mitgliedstaaten noch von der Zustimmung zum Mercosur-Abkommen überzeugen zu können. Im Gegenzug will sie Zugeständnisse machen. So sollen die Importzölle für bestimmte Dünger gesenkt und eine mögliche Aussetzung der CO2-Grenzabgabe für die Landwirtschaft vorangetrieben werden.
Für die Unterzeichnung des Handelsabkommens ist eine Mehrheit von 15 EU-Ländern nötig. Falls diese bei der Abstimmung erreicht wird, könnte das Abkommen laut EU-Kommission bereits in der nächsten Woche unterschrieben werden.
Eigentlich hätte das Abkommen schon im Dezember beschlossen werden sollen, dafür fehlte aber die nötige Mehrheit. Auch damals hatte es Proteste von Landwirten gegeben. Sollten die Mitgliedstaaten sich nun für die Unterzeichnung entscheiden, müsste noch das Europäische Parlament zustimmen.