Geht uns das Bargeld aus? Verbraucherschützer warnen vor Versorgungslücke
Digitalzahlungen sind auf dem Vormarsch – ist die Akzeptanz von Bargeld in Gefahr? Verbraucherschützer fordern einen gesetzlichen Schutz für Bargeldzahlungen.
Schnell die Karte oder das Handy zücken – und in Sekunden ist im Geschäft oder an der SB-Kasse im Supermarkt der Einkauf bezahlt. Digitalzahlungen setzen sich im Alltag immer stärker durch – doch das macht Verbraucherschützern Sorge.
Eine Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt: Drei von zehn Befragten haben schon einmal erlebt, dass Bargeld beim Bezahlen nicht angenommen wurde. „Die Akzeptanz von Bargeld für Zahlungen im Handel, der Gastronomie und für öffentliche Verwaltungsleistungen sinkt kontinuierlich“, sagt Dorothea Mohn, Finanzmarktexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).
Kontrollverlust befürchtet
Das könne zu unnötigen Kosten für Verbraucher führen und Menschen ohne Zugang zu digitalen Zahlungsmethoden, auch Kinder und Ältere, ausschließen. Außerdem befürchten die Verbraucherschützer vermehrte Konflikte beim Bezahlen sowie den Kontrollverlust über Ausgaben und Datenschutz. Bargeld ermöglicht hingegen anonyme Zahlungen – und funktioniert auch dort, wo es keinen Strom und kein Internet gibt.
Die Verbraucherschützer fordern daher, dass auch bei neuen Technologien Barzahlungen möglich sein müssen und nicht erschwert werden dürfen – etwa bei SB-Kassen und Automaten für Parkscheine oder für Tickets von Bussen und Bahnen. Außerdem dürfen für Bargeldzahlungen keine Zusatzgebühren gefordert werden.
Durchgesetzt werden könnte die Forderung etwa über eine Quote von Bargeld annehmenden Ticketautomaten, Selbstbedienungskassen oder besetzten Bedienkassen pro Geschäft. Ausnahmen sollten gesetzlich festgelegt werden.
Bundesbank: Keine Akzeptanzlücke
Daten der Bundesbank bestätigen, dass die Zahl der Bargeldzahlungen stetig sinkt. Digitale Zahlungsmöglichkeiten werden seit Jahren immer beliebter.
In einem aktuellen Test im Sommer 2025 stellten die Bundesbanker allerdings auch fest, dass aktuell 99,4 Prozent der aufgesuchten Verkaufsstellen Bargeld akzeptieren. Nur in 0,7 Prozent der Fälle war Barzahlung erst auf Rückfrage oder nur an einer anderen Kasse möglich. Anders sieht es vor allem in der öffentlichen Verwaltung aus: In acht von 30 Fällen konnte eine Behördenleistung wie beispielsweise das Ausstellen eines Personalausweises oder die Zulassung eines Kraftfahrzeugs nicht mit Bargeld bezahlt werden.
Auch die Bundesbank sorgt sich allerdings, dass die fortschreitende Digitalisierung im Handel dazu führt, dass immer mehr personalbesetzte Kassen durch SB-Kassen ersetzt werden, die kein Bargeld annehmen. Sie unterstützt daher einen Vorschlag der Europäischen Kommission, der die Rolle des Euro-Bargeldes als gesetzliches Zahlungsmittel stärken soll.
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