GNU Taler auf dem 39C3: Wie das quelloffene Bargeld den Praxistest besteht
Auf dem 39C3 zeigten Entwickler, wie sich das anonyme Bezahlsystem GNU Taler auf Events einsetzen lässt – ein Gegenentwurf zum digitalen Euro.
Auf dem 39C3 in Hamburg präsentierten Mikolai Gütschow und signum ihre Erfahrungen mit GNU Taler als Bezahlsystem auf Chaos-Events. Das quelloffene Projekt verspricht, was der digitale Euro bislang schuldig bleibt – echte Anonymität beim Bezahlen.
GNU Taler funktioniert grundlegend anders als Kryptowährungen oder klassische Kartenzahlung: Die digitalen Wertmarken liegen ausschließlich auf dem Gerät des Nutzers, ähnlich wie Münzen in einer physischen Geldbörse. Beim Bezahlen erfährt der Zahlungsdienstleister nicht, wer gerade zahlt – nur der Händler muss sich identifizieren, um sein Geld zu erhalten.
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„Wir haben bei Taler eine asymmetrische Anonymität“, erklärte Gütschow. Das sei „eigentlich ein bisschen so ähnlich wie bei Bargeld, wo man auch im Moment des Abhebens vom Konto am Geldautomaten identifizierbar ist. Aber später, wenn man es irgendwo weitergibt, nicht.“
Das System nutzt sogenannte blinde Signaturen, ein Verfahren, das David Chaum bereits 1982 entwickelte. Dabei wird die Funktion eines Kohlepapier-Umschlags nachgeahmt. Ein Nutzer steckt seine selbst erzeugte Wertmarke in einen Umschlag mit Kohlepapier und die Bank signiert den verschlossenen Umschlag, ohne den Inhalt zu kennen. Erst der Nutzer kann die signierte Marke später auspacken und verwenden.
Warum nicht einfach Kreditkarte?
Gütschow rechnete in seinem Vortrag mit den gängigen Bezahlmethoden ab. Kryptowährungen etwa „haben auch manchmal den Ruf, dass sie anonym sind, aber in Wirklichkeit ist es eine öffentliche Datenbank, die dezentral ist und sobald man irgendwie den Identifier von einer Wallet oder von einem Account hat, dann ist da auch eben nichts mit anonym.“
Bei klassischen Zahlungsdienstleistern sieht es nicht besser aus: „Ich habe letztens nochmal auf den Datenschutzbestimmungen von PayPal nachgeschaut. Da steht eine Liste an Partnern, an die sie Daten zu jeder Transaktion potenziell teilen können beziehungsweise das Recht dafür einräumen. [...] Insgesamt glaube ich an die 650 Partner, die theoretisch die Daten dann bekommen können.“
Feldtest auf Chaos-Events
Auf dem LugCamp 2024 und den Dresdner Datenspuren testeten signum und Gütschow das System unter Realbedingungen. Bei den Datenspuren wurden über 500 Bezahlvorgänge abgewickelt, etwa ein Fünftel des gesamten Umsatzes lief digital. Das Feedback der Besucher fasste Gütschow so zusammen: "Es war einfach super, es hat total gut funktioniert, es hat Spaß gemacht zu benutzen." Auch vom Personal hinter der Bar habe man gehört, „dass es für sie eigentlich eine Erleichterung war, nicht immer mit Wechselgeld hantieren zu müssen“.