Hilfsorganisationen in Gaza warnen vor Folgen des Lizenzentzugs
Israel hat 37 internationalen Organisationen zum Jahresstart die Lizenz entzogen. Für die rund zwei Millionen Menschen im Gazastreifen kann das schwerwiegende Folgen haben. Von Bettina Meier.

Nach Lizenzentzug Hilfsorganisationen kritisieren fehlenden Gaza-Zugang
Stand: 11.01.2026 02:42 Uhr
Israel hat 37 internationalen Organisationen zum Jahresstart die Lizenz entzogen. Für die rund zwei Millionen Menschen im Gazastreifen kann das schwerwiegende Folgen haben.
Bei Luftangriffen der israelischen Armee sind Ende der Woche wieder mehr als zehn Menschen ums Leben gekommen. Trotz Waffenruhe. Auch die humanitäre Lage spitzt sich durch Stürme und Regen wieder zu. Und als wäre das nicht schlimm genug, klagen 37 internationale Hilfsorganisationen, dass Israel ihnen die Lizenz entzogen hat. Seit Anfang Januar dürfen sie nach eigenen Angaben keine Hilfsgüter oder Mitarbeiter aus dem Ausland nach Gaza schicken. Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen ist davon betroffen.
In einer Klinik in Gaza behandelt der Arzt Fayez al-Barawi den zehnjährigen Mohammad. Er hatte sich beim Spielen in Trümmern den Arm gebrochen, der notdürftig geschient wurde. "Wann war er das letzte Mal beim Arzt?", fragt al-Barawi seine Mutter - doch sie schüttelt nur den Kopf.
Von medizinischer Versorgung abgeschnitten
Als Mediziner, der in Gaza lebt, kann Al-Barawi Patienten noch helfen. Doch seine Kollegen aus dem Ausland, die ihn sonst unterstützen, haben es durch den Lizenz-Entzug seit Januar schwer, in den Gazastreifen zu kommen. Al-Barawi warnt vor den Folgen.
Wenn Ärzte ohne Grenzen die Arbeit einstellen muss, schneide das sehr viele Menschen von medizinischer Versorgung ab: "Wenn der Patient Schmerzmittel braucht und er sie draußen kaufen will, findet er sie nicht. Oder sie sind völlig überteuert." Verletzungen, die nicht behandelt würden, könnten lebenslange Folgen haben. "Gesundheitsversorgung muss für alle da sein", fordert der Arzt.
Für eine neue Lizenz durch die israelischen Behörden müssen die internationalen Hilfsorganisationen detaillierte Angaben über Mitarbeiter, Finanzierung und Aktivitäten machen - damit Hilfen nicht in die Hände von Terroristen fallen, heißt es zur Begründung. Solche Forderungen aber untergraben die Unabhängigkeit humanitärer Organisationen, betont Ärzte ohne Grenzen. Es bleibe "unklar, wie die Daten verwendet, gespeichert oder weitergegeben werden". Im Krieg seien 15 Angestellte von Ärzte ohne Grenzen getötet worden.
Auf Unterstützung angewiesen
Die Organisation hat vier Niederlassungen im Gazastreifen. "Seit dem Waffenstillstand versuchen wir, unsere Arbeit in Gaza-Stadt mit mobilen Kliniken auszuweiten, um alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen", berichtet Fadi al-Madhoun. Er ist der medizinische Leiter von Ärzte ohne Grenzen in Gaza. "Wir sind auf die Unterstützung von Freiwilligen aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Spanien angewiesen. Sie helfen uns Verbrennungen, chronische Krankheiten und psychische Erkrankungen zu behandeln und Kinder auf die Welt zu bringen."
