Hochschulentwicklung: Teichert: Hochschulen brechen Abwärtstrend bei Studierenden
1. Januar 2026, 7:00 Uhr Quelle: dpa Thüringen

Erstmals seit Jahren bleiben die Studierendenzahlen an Thüringens Hochschulen stabil. Staatssekretär Steffen Teichert sieht darin eine «gute Botschaft». (Symbolbild) © Jan Woitas/dpa
Im laufenden Wintersemester verzeichnen die Thüringer Hochschulen voraussichtlich erstmals nach Jahren keine sinkenden Studierendenzahlen. Das geht aus vorläufigen Zahlen des Bildungsministeriums hervor. Steffen Teichert, Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur, spricht von einer Trendwende. Demnach sei gar eine leichte Steigerung der Studierendenzahlen möglich.
«Es wird definitiv eine schwarze Null werden und das hatten wir jetzt über die letzten Jahre nicht so, das ist eine gute Botschaft», so Teichert. Bereits im Oktober hatten mehrere Thüringer Hochschulen steigende bis stabile Immatrikulationszahlen gemeldet.
Im von demografischen Herausforderungen geprägten Thüringen sollen die Hochschulen in den kommenden Jahren attraktiver werden und «Magnete sein, wenn Sie die Frage stellen, wie kommt ein junger Mensch nach Thüringen», so der Staatssekretär. Es brauche gute Studien- und Arbeitsplätze.
Gleichzeitig müssten die Hochschulen aufgrund der schwierigen Finanzlage des Landes voraussichtlich mit weniger Ressourcen auskommen. Dies sei ein «klassischer Zielkonflikt», so Teichert.
Teichert: «Werden keine Häuser einreißen»
Kurzfristige Schließungen schließt Teichert dabei aber aus: «Es wird nicht passieren, dass da im Jahr '26, '27 und '28 irgendwo Häuser und Mauern eingerissen werden.» Auch die Schließung von Studiengängen sei kein unmittelbares Werkzeug zur Kostensenkung. «Davon haben Sie finanziell meistens gar nichts als Hochschule», so der frühere Präsident der Ernst-Abbe-Hochschule Jena.
Hintergrund sind die Verhandlungen um eine neue Rahmenvereinbarung zur Finanzierung der Thüringer Hochschulen. Sie waren in das kommende Jahr verschoben worden. Die auslaufende Finanzierungsvereinbarung wurde deshalb um ein Jahr verlängert. Dies soll der Thüringer Landesregierung und den Hochschulen Zeit verschaffen, Veränderungen im Hochschulsystem auszuhandeln. Thüringens Wissenschaftsminister Christian Tischner (CDU) kündigte eine «Debatte über Profilbildung, Ausbau der Kooperationen und einen optimalen Ressourceneinsatz» an.
Thüringen sucht Hochschul-Vision für die nächsten 15 Jahre
Laut Staatssekretär Teichert geht es dabei um ein weitreichendes Zukunftskonzept: «Es geht in dieser Diskussion, die wir uns für das kommende Jahr vorgenommen haben, wirklich darum, ein gemeinsames Zielbild zu finden, was nicht im Jahr '28 liegt, sondern was hier in '35, in 2040 liegt.» Angedacht sei ein «partizipativer Prozess», so Teichert weiter. Es sei wichtig, «dass man wirklich die Klugheit von vielen Seiten zusammenholt» und daraus ein Bild baue.
Die nochmals ins neue Jahr verlängerte Finanzierungsvereinbarung sieht noch einmal eine Steigerung der Landesmittel für die Hochschulen um 3,5 Prozent auf rund 600 Millionen Euro vor. Im Doppelhaushalt 2026/2027 ist jedoch für das Jahr 2027 bereits eine geringere Steigerung vorgesehen. Die oppositionelle Linke kritisiert das.
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