Internetsperre im Iran: Eine neue Eskalationsstufe
Das Regime im Iran hat die Verbindung nach Außen gekappt, die Abschaltung ist deutlich umfassender als bei früheren Protesten. Das alarmiert Beobachter weltweit.

Eine Frau in Teheran checkt ihr Telefon, aufgenommen im Oktober 2025. © Arash Khamooshi/The New York Times/laif
Die Internet-Abschaltung im Iran ist deutlich umfassender als bei früheren Protesten. Einige finden trotzdem Wege, denn Sichtbarkeit entscheidet über Leben und Freiheit.
10. Januar 2026, 20:03 Uhr
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Donnerstagabend kursierten Dutzende Videos aus Teheran. Menschen strömten auf die Straßen, Plätze füllten sich, Sprechchöre hallten durch die Stadt. Es waren die ersten Bilder der bislang größten Demonstration dieser Protestwelle. Doch noch bevor sich ihr Ausmaß im vollen Umfang erkennen ließ, riss die Verbindung ab. Uploads wurden unterbrochen, Streams froren ein, Nachrichten blieben ungelesen. Iran verschwand digital von der Bildfläche. Das Regime hatte das Internet abgeschaltet.
Das ist keine punktuelle Störung, sondern eine gezielte und nahezu vollständige digitale Abriegelung. Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks sprach am Samstagmorgen von einem landesweiten Blackout des Iran seit 36 Stunden.
Innerhalb kurzer Zeit wurden dort nicht nur internationale Datenverbindungen gekappt, sondern auch das nationale Netz – eine Art landesweites Intranet, das der Iran über Jahre hinweg, abgeschottet von der Außenwelt, eingerichtet hat. Internationale Telefonverbindungen funktionierten nicht mehr, zeitweise auch der Mobilfunk nicht. Selbst satellitengestützte Dienste wie Starlink sind Berichten zufolge nur noch eingeschränkt nutzbar. Viele iranische Webseiten sind inzwischen auch aus dem Ausland nicht mehr erreichbar.
Der aktuelle Blackout markiert damit eine neue Eskalationsstufe staatlicher Internetabschaltungen. Noch bis zum frühen Abend folgte die Netzpolitik des iranischen Regimes einem bekannten Muster: Zu beobachten waren regionale Drosselungen des Internetverkehrs, zeitlich begrenzte Ausfälle, das gezielte Sperren einzelner Dienste. Mit dem Beginn der nächtlichen Proteste jedoch brach dieses System abrupt zusammen. Internationale und nationale Internetverbindungen wurden gleichzeitig gekappt, Mobilfunknetze abgeschaltet, selbst SMS-Dienste und Festnetzverbindungen waren zeitweise nicht erreichbar.