Iran-Experte über Proteste: "Das Regime scheint sich sehr bedroht zu fühlen"
Nur wenig ist über die Lage im Iran bekannt. Das, was durchsickere, sei erschütternd, sagt Nahost-Experte Gerlach in den tagesthemen. Er rechnet mit weiterer Gewalt - und sieht die bisherige US-Strategie kritisch.

Stand: 11.01.2026 23:17 Uhr
Nur wenig ist über die Lage im Iran bekannt. Das, was durchsickere, sei erschütternd, sagt Nahost-Experte Gerlach in den tagesthemen. Er rechnet mit weiterer Gewalt - und sieht die bisherige US-Strategie kritisch.
Der Nahost-Experte Daniel Gerlach rechnet mit weiterer Gewalt gegen Demonstranten im Iran. Das Regime versuche, "den Preis für die Menschen, die auf die Straße gehen, in die Höhe zu treiben", sagte der Chefredakteur des Magazins zenith in den tagesthemen.
"Am Ende ist das tatsächlich ein Machtkampf: Wer hält länger durch?" Aus einigen Stadtteilen der Hauptstadt Teheran sei bereits zu hören, dass die Menschen nicht mehr auf die Straße gingen, weil der Blutzoll zu hoch sei. "Und ich denke, darauf spekuliert das Regime und darauf spekulieren die Sicherheitskräfte."
Gerlach verwies darauf, dass es nur wenige konkrete und belastbare Informationen aus dem Iran gebe. "Aber das, was durchsickert, und die Bilder, die es gibt, die sind wirklich erschütternd und besorgniserregend", sagte er. Man müsse mit einer hohen Zahl an Todesopfern rechnen.
"Das gibt dem Regime Argumente in die Hände"
Dass US-Präsident Donald Trump den Protestierenden zuletzt erneut Unterstützung zugesichert hat, hält Gerlach für problematisch. Einerseits sei die Unterstützung von einigen positiv aufgenommen worden. Aber: "Das gibt natürlich auch dem Regime Argumente in die Hände, um diesen Protest wirklich wie einen bewaffneten Aufstand zu behandeln, wie einen Anti-Terror-Kampf. Das Regime hat früher auch immer Anhänger der Protestbewegung als vom Ausland gesteuerte Kräfte bezeichnet, aber diesmal scheint es sich tatsächlich sehr, sehr bedroht zu fühlen."
"In der derzeitigen Situation glaube ich, das Wichtigste und das Beste wäre, dass dieses Regime die Macht abgibt und dass es einen geordneten, friedlichen Übergang gibt", sagte Gerlach. "Es gibt nur derzeit zwischen der Regierung und der Protestbewegung keinerlei Kommunikation."