Irans Präsident warnt vor weiteren Protesten
Trotz Internetsperre und Telefonblockade halten die Proteste im Iran an. In einer Fernsehansprache warnte Präsident Peseschkian nun vor neuen Unruhen. Laut Aktivisten steigt die Zahl der Toten weiter.

Irans Regime Warnung an die Demonstranten - Drohung Richtung USA
Stand: 11.01.2026 17:18 Uhr
Trotz Internetsperre und Telefonblockade halten die Proteste im Iran an. In einer Fernsehansprache warnte Präsident Peseschkian nun vor neuen Unruhen. Laut Aktivisten steigt die Zahl der Toten weiter.
Nach tagelangen Massenprotesten im Iran hat der iranische Präsident Massud Peseschkian "Aufrührer" vor weiteren Demonstrationen gewarnt. Es könne nicht zugelassen werden, dass "Aufrührer die Gesellschaft destabilisieren", sagte er in einem Fernsehinterview. Die Jugend des Landes dürfe sich nicht durch "Terroristen" täuschen lassen.
Zugleich rief er die Bevölkerung dazu auf, "Vertrauen in unseren Willen zur Durchsetzung der Gerechtigkeit" haben. "Die Menschen haben Sorgen. Wir sollten uns mit ihnen zusammensetzen und, wenn es unsere Pflicht ist, ihre Sorgen ausräumen."
Drohung gegen USA
Der iranische Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf bezeichnete die Demonstrationen als einen von den USA inszenierten "terroristischen Krieg" gegen den Iran. Er warf der Protestbewegung vor, eine Grundlage für eine Militärintervention der USA schaffen zu wollen. Die "Feinde" müssten jedoch wissen, dass die Verteidiger des Landes sie vernichten würden, sagte Qalibaf laut Übersetzung des iranischen Propagandakanals Press TV. Er drohte, dass jede Attacke der USA zu Vergeltungsschlägen gegen regionale US-Militärstützpunkte und auf Israel führen werde.
US-Präsident Donald Trump hatte den Protestierenden zuletzt erneut Unterstützung zugesichert. "Der Iran strebt nach Freiheit, vielleicht wie nie zuvor. Die USA sind bereit zu helfen!", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Wie die Hilfe aussehen soll, ist unklar.
Die "New York Times" meldete unter Berufung auf US-Beamte, Trump sei in den vergangenen Tagen über neue Optionen für Militärschläge im Iran informiert worden.
Aktivisten: Zahlreiche Tote
Trotz wachsender Todeszahlen und exzessiver Drohungen des Sicherheitsapparats ebben die Proteste nicht ab. Laut Aktivisten haben sie sich auf 185 Städte ausgeweitet. Die iranischen Behörden gehen hart dagegen vor.
Nach Angaben von Menschenrechtlern wurden zahlreiche Menschen getötet, die genaue Zahl ist unklar. Die Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Oslo spricht von mindestens 192 Todesopfern, die tatsächliche Zahl könnte demnach aber höher liegen.
Nach Angaben der Human Rights Activists News Agency (HRANA) wurden mindestens 203 Menschen getötet. 162 davon seien Demonstranten und 41 Angehörige der Sicherheitskräfte, teilte die in den USA ansässige Organisation mit. Auch sie erklärte, die tatsächliche Opferzahl sei möglicherweise deutlich höher. Zuletzt sprach die Organisation sogar von mehr als 400 Toten.
Internetsperren und blockierte Telefonleitungen
Die Kommunikation nach außen ist durch Internetsperren und blockierte Telefonleitungen stark eingeschränkt. Die iranische Führung will so die Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Außerdem soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Massenproteste unterdrückt werden. Die Maßnahme schürt zudem die Sorge, dass das Regime in Teheran wie schon bei vergangenen Protesten das Blackout nutzen könnte, um die Demonstrationen brutal niederzuschlagen.
Laut einer Analyse des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW) verschärft die iranische Führung die Unterdrückung von Protesten. "Das iranische Regime bezeichnet die Demonstranten nun nicht mehr als Randalierer, sondern als Terroristen", so das ISW. Das deute darauf hin, dass die Führung eine kompromisslose Haltung gegenüber den anhaltenden Protesten eingenommen habe.
"Das Regime wird wahrscheinlich seine Charakterisierung der Demonstranten als 'Terroristen' nutzen, um ein weiteres hartes Vorgehen gegen die Proteste zu rechtfertigen", hieß es weiter. Es betrachte die Proteste zunehmend als militärisches Problem und nicht mehr als eine Frage der Strafverfolgung oder der Kontrolle von Menschenmengen.