Israel zweifelt an Teilentwaffnung der Hisbollah-Miliz im Libanon
Die libanesische Regierung erklärt, sie habe die erste Phase der Entwaffnung der Hisbollah abgeschlossen. Doch das wird nicht nur von der israelischen Regierung, sondern auch von Grenzbewohnern und Militärexperten angezweifelt. Von Bettina Meier.

Angebliche Hisbollah-Entwaffnung Israel traut der Ruhe im Südlibanon nicht
Stand: 08.01.2026 18:36 Uhr
Die libanesische Regierung erklärt, sie habe die erste Phase der Entwaffnung der Hisbollah abgeschlossen. Doch das wird nicht nur von der israelischen Regierung, sondern auch von Grenzbewohnern und Militärexperten angezweifelt.
Die Antwort aus dem Büro von Israels Premier Benjamin Netanjahu ließ nicht lange auf sich warten. Nur Stunden nachdem die libanesische Regierung verkündet hatte, die Entwaffnung der vom Iran gestützten Hisbollah-Miliz im Südlibanon sei in der ersten Phase abgeschlossen, folgte ein schriftliches Statement Netanjahus. Ihm zufolge seien die Anstrengungen der libanesischen Regierung und der Armee anfangs noch ermutigend gewesen. Sie reichten aber bei Weitem nicht aus, so Netanjahu.
Überraschend kommt diese Reaktion aus Israel nicht. Uzi Rabi ist Verteidigungsexperte am Moshe-Dayan-Zentrum für Nahost- und Afrikastudien an der Tel Aviv Universität: "Die Behauptung der libanesischen Armee, sie habe die Entwaffnung südlich des Litani Flusses beendet, ist natürlich völlig falsch. Die libanesische Armee kann zwar auf offenem Gebiet gegen die Hisbollah vorgehen, aber sie würde es nicht wagen, in schiitische Dörfer reinzugehen, in denen sich die Hisbollah wieder aufbaut."
Das gelte in der Geschichte des Libanon "als ein bekanntes Rezept für den erneuten Ausbruch eines Bürgerkrieges", erklärt Rabi. Deshalb vermeide die libanesische Regierung den Konflikt mit der Hisbollah.
Angst unter Bewohnern an der Nordgrenze
Mit seiner Meinung steht Rabi nicht allein da. Auch Bewohner an der Nordgrenze Israels, die im Krieg flüchten mussten, fürchten sich vor erneuten Angriffen auf ihre Gemeinden.
So sei die Terrormiliz längst dabei, ihr Raketenarsenal wieder aufzufüllen, sagt Eitan Davidi, Vorsitzender des Gemeinderates von Margaliot, einer ländlichen Gemeinde direkt an der Nordgrenze, die von der Hisbollah immer wieder mit Raketen beschossen wurde. "Wir haben keine Wahl. Wir können uns von der Hisbollah nicht wieder provozieren und in einen Konflikt hineinziehen lassen", sagt er. Die israelische Regierung müsse "die Ärmel hochkrempeln und in den Libanon reingehen".
