KI in der Industrie: Denkt doch endlich mit
Selbstlernende Maschinen könnten für die deutsche Industrie entscheidend werden, aber viele Firmen zögern. Drei Beispiele zeigen, was schon möglich ist.
Selbstlernende Maschinen könnten für die deutsche Industrie entscheidend werden, aber viele Firmen zögern. Drei Beispiele zeigen, was schon möglich ist.
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Wie wäre es mit einer Runde Schnick-Schnack-Schnuck mit Kollege Roboter? © Schunk
Selbst große Einfälle verstecken sich oft hinter einfallslosen Namen. Die Firma Schunk etwa, die wie viele alteingesessene Mittelständler einfach heißt wie seine Inhaber, hat ihre neueste Erfindung nicht "Magic Fingers" oder "Robohand" genannt, sondern schlicht "2D Grasping-Kit". Das passt zum Understatement des Unternehmens aus Lauffen am Neckar, das mit seinen 3.700 Mitarbeitern eine Vielzahl von Greifern für die Industrie herstellt. Und es sollte nicht darüber hinwegtäuschen, wie groß die Innovation ist, die sich hinter dem Kit verbirgt. Und warum sie exemplarisch dafür steht, was in der deutschen Industrie abseits des ChatGPT-Hypes geschieht.
Seit mehr als 40 Jahren baut Schunk hochpräzise Greifwerkzeuge, die etwa in Autofabriken, in der Luft- und Raumfahrt und im Maschinenbau anpacken. Sie können klobige Kisten genauso bewegen wie filigrane Pipetten, mal umklammern sie Rohre, mal saugen sie Batterien an. Die Mechanik dafür hat die Firma über Jahrzehnte so präzisiert und Fabrikabschnitte so automatisiert, dass Roboter heute problemlos neben Menschen zupacken können. Aber: "Jetzt erst kommen alle Technologien zusammen, die die nächste Stufe autonomer Robotik ermöglichen", sagt Timo Gessmann, Technikchef bei Schunk. Jetzt haben sie die Mechanik, die Daten – und das Gehirn.
Schunk setzt auf eine künstliche Intelligenz, mit der sich Prozesse automatisieren lassen, von denen man früher dachte, Maschinen seien damit überfordert. Lagen auf einem Werkzeugtisch Schrauben oder Kleinteile auch nur einen halben Zentimeter versetzt, waren die Greifer von Schunk überfordert und mussten pausieren, mitunter legten sie die Produktion still. Dann musste ein Techniker die Roboterhand zurücksetzen und neu programmieren.
Heute können die Roboterhände von Schunk die Teile erkennen und greifen – und zwar egal, wie sie liegen. Dafür ist die "Grasping-Kit" genannte Zauberhand mit einem Kamerasystem ausgestattet, das die KI mit Bildern füttert, damit sie den Greifer richtig bewegt. Gessmann sagt, so ließen sich nun erstmals auch Produktionsprozesse automatisieren, die nicht immer gleich ablaufen. Die KI lernt permanent dazu. "Das", sagt Gessmann, "verändert alles."