Klitschko rät nach Angriffen zum vorübergehenden Verlassen Kiews
Bei eisigen Temperaturen sind Hundertausende Menschen in Kiew infolge russischer Angriffe ohne Heizung. Der Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt sieht für sie vorübergehend einen Ausweg.

Angriffe auf Energieversorgung Klitschko rät zum vorübergehenden Verlassen Kiews
Stand: 10.01.2026 11:52 Uhr
Bei eisigen Temperaturen sind Hundertausende Menschen in Kiew infolge russischer Angriffe ohne Heizung. Der Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt sieht für sie vorübergehend einen Ausweg.
Nach massiven russischen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sind Tausende Wohnblocks mitten im eisigen Winter ohne Heizung. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von den schlimmsten Schäden an der Infrastruktur in Kiew in dem seit fast vier Jahren währenden Krieg. Er riet den Bürgerinnen und Bürgern, die Stadt vorübergehend zu verlassen, wenn sich anderswo ein warmer Platz und Strom finden lasse.
In der Millionenmetropole waren nach den Luftangriffen in der Nacht zu Freitag zunächst 6.000 Wohnblocks ohne Heizung. Nach Angaben des Energieministeriums hatten etwa 500.000 Haushalte in und um Kiew keinen Strom. In Kiew sei die Lage am schwierigsten, sagte Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko. Es sei bis Freitagabend aber gelungen, einen Teil der Hauptstadt wieder mit Strom zu versorgen.
Zelte zum Aufwärmen
Krankenhäuser in Kiew werden nach Angaben der Stadtverwaltungen mit mobilen Heizkesseln mit Wärme versorgt. Außerdem gebe es verteilt über die Stadt 1.200 Zelte und andere Anlaufstellen, an denen man sich aufwärmen, Wasser holen und Handys aufladen könne.
Selenskyj: Russland will Städte unbewohnbar machen
Bei bis zu 17 Grad Frost wird die Lage nicht nur in Kiew, sondern auch anderen ukrainischen Städten wegen des Ausfalls von Heizung, Strom und Wasser immer schwieriger. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in seiner abendlichen Videobotschaft, Russland versuche, mit schweren Luftangriffen mitten im Winter die großen Städte der Ukraine unbewohnbar zu machen: "Die Russen nutzen das Wetter - die Kältewelle - und versuchen, so viele unserer Energieanlagen wie möglich zu treffen."
Auch Wolodymyr Omeltschenko, Energieexperte der Denkfabrik "Rasumkow-Zentrum" hält den Zeitpunkt der russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur für keinen Zufall - so etwa die Attacke auf den größten Gasspeicher des Landes in der Region Lwiw im Westen des Landes: "Das passt zu den 'strategischen Zielen' Russlands." Gas sei in der Ukraine der wichtigste Wärmeträger. "Sie wollen so viele Menschen wie möglich bei diesen Frosttemperaturen ohne Heizung dastehen lassen, damit sie so sehr frieren wie möglich. Das nennen sie dann einen Erfolg der russischen Armee."
Einsatz von Hyperschallrakete
Russland hatte bei Angriffen auch zum zweiten Mal seit Beginn des Krieges seine neue Hyperschallrakete "Oreschnik" auf das Nachbarland abgeschossen. In der Nacht zum Freitag schlug die Rakete im Westen der Ukraine nahe der Grenze zum NATO-Land Polen ein.