"Koalition der Willigen": Was Ukrainer vom Truppen-Versprechen halten
Die ukrainischen Reaktionen auf die Absicht der "Koalition der Willigen", nach einem Waffenstillstand Truppen zu schicken, sind positiv. Gerade auch auf die Aussagen von Merz. Doch Zweifel gibt es an der Umsetzung. Von F. Kellermann.

Nach Gipfel in Paris Was Ukrainer vom Truppen-Versprechen halten
Stand: 08.01.2026 04:55 Uhr
Die ukrainischen Reaktionen auf die Absicht der "Koalition der Willigen", nach einem Waffenstillstand Truppen zu schicken, sind positiv. Gerade auch auf die Aussagen von Merz. Doch Zweifel gibt es an der Umsetzung.
Ein internationales Truppenkontingent in der Ukraine - das Vereinigte Königreich und Frankreich haben beim Gipfeltreffen in Paris zumindest ihre Absicht erklärt, den Frieden in der Ukraine nach einem Waffenstillstand auch mit eigenen Soldaten zu sichern. Auch Deutschland will militärisch unterstützen.
In der Ukraine sehen das die meisten Beobachterinnen und Beobachter zumindest vorsichtig positiv. "Da wurden viele hoffnungsvolle Worte und Erklärungen geäußert, die vorher nicht geäußert worden waren", erklärte der Politikanalyst und Publizist Witalij Portnykow.
Merz-Aussagen "sensationell"
Die Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Pressekonferenz bezeichnete Portnykow sogar als sensationell. "Deutschland ist bereit, für die Sicherheit der Ukraine und ganz Europas mit einzustehen. Das ist ein historischer Moment", so der Publizist, dessen Internetkanal eine Million Abonnenten hat.
Kritischer äußerte er sich allerdings zu den konkreten Vorstellungen von Merz, vor allem zu dessen Idee, deutsche Soldaten könnten in mit der Ukraine benachbarten NATO-Ländern stationiert werden. Dagegen könnte es in diesen Ländern Bedenken geben, etwa in Polen, so Portnykow.
Sorgen vor Problemen bei Umsetzung
Auch andere Kommentatoren sehen Probleme bei der konkreten Umsetzung der Ankündigungen von Paris. So bezweifelte der Militärexperte Denys Popowytsch im Radiosender NV, die westlichen Partner würden genug ausgebildete Soldaten für eine friedenssichernde Mission in der Ukraine bereitstellen können. "Wenn wir von 25.000, 20.000 oder 30.000 Soldaten sprechen, dann kann man diese Zahl getrost verdoppeln", so Popowytsch.
Andere Beobachter führten die innenpolitischen Probleme in Ländern wie Frankreich oder Deutschland an: Entscheidungen über die Entsendung von Soldaten müssten in der Regel von den Parlamenten beschlossen werden. Und dort sei Widerstand zu erwarten.
Die meisten Kommentatoren in der Ukraine sind sich indes einig darin, dass ein internationales Kontingent eine abschreckende Wirkung auf Russland hätte. Denn ein erneuter Angriff auf die Ukraine würde die westlichen Partner dann unmittelbar betreffen - das Risiko eines Kriegs für Russland also steigern.
