Liveblog zum Sturmtief: ++ Bundesverkehrsminister ruft zur Vorsicht auf ++
SOURCE:Tagesschau
Verkehrsminister Schnieder ruft die Bürger auf, wegen Schnee- und Eismassen zuhause zu bleiben. VW lässt wegen der erwarteten extremen Winterwetterlage am Freitag die Produktion in Emden ruhen.
Verkehrsminister Schnieder ruft die Bürger auf, wegen Schnee- und Eismassen zuhause zu bleiben. VW lässt wegen der erwarteten extremen Winterwetterlage am Freitag die Produktion in Emden ruhen. Alle Entwicklungen im Liveblog.
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Sturmtief Elli hat in der Basketball-Bundesliga für eine Absage gesorgt. Die Eigentümer der Inselpark Arena setzten die Partie in der BBL zwischen den Veolia Towers Hamburg und den Vet-Concept Gladiators Trier ab. Das Spiel sollte am Samstag ausgetragen werden. Ein Nachholtermin steht noch nicht fest. Die Arena-Sperrung erfolge "vorsorglich aufgrund der aktuellen Schneelast", erklärten die Towers. Die Sicherheit von Besuchern, Sportlern und Personal habe oberste Priorität – insbesondere dann, wenn das Dach durch anhaltenden Schneefall und Eisbildung stark belastet wird, äußerte der Club in einer Mitteilung.
Trotz des Wetters waren in Hamburg heute Menschen auf den Straßen. "Um so ein paar Sachen einkaufen zu gehen, bevor alles vollgeschneit ist", erzählt ein Passant der tagesschau. Das kann auch riskant sein: Allein in der Asklepios-Klinik im Hamburger Stadtteil St. Georg haben die Ärzte in den vergangenen Tagen schon mehr als 20 Knochenbrüche wegen Glätteunfällen versorgt. "Wir sehen aber auch Patienten mit Gehirnerschütterungen und leider zum Teil auch Schwerverletzte nach Verkehrsunfällen", sagt Nils Proksch, Chefarzt der Unfallchirurgie.
Wegen des erwarteten Sturmtiefs "Elli" bleiben die Schulen auch in Teilen Schleswig-Holsteins am Freitag geschlossen. Das betrifft allgemein- und berufsbildende Schulen in den Kreisen Dithmarschen, Herzogtum Lauenburg, Nordfriesland, Pinneberg, Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Flensburg, Segeberg, Steinburg und Stormarn, wie das Bildungsministerium mitteilte.
An den von Schließungen betroffenen Schulen soll es für die Jahrgangsstufen eins bis sechs aber eine Notbetreuung geben. Die Schülerinnen und Schüler können dort nach Ministeriumsangaben auf Aufgaben zurückgreifen, die ihnen Lehrkräfte bereits im Rahmen des regulären Unterrichts gegeben haben. Schulen könnten zudem über ihr Lernmanagementsystem Unterrichtsmaterial bereitstellen.
Im Straßenverkehr kam es bereits zu zahlreichen Unfällen. Teilweise gingen sie tödlich aus, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Bei Gehrde in Niedersachsen starb am Donnerstagmorgen ein Autofahrer, als er nach Polizeiangaben auf einer glatten Bundesstraße die Kontrolle über seinen Wagen verlor und gegen einen Baum prallte.
In Baden-Württemberg starb ein 86-Jähriger, nachdem er am Mittwoch in Villingendorf von einem abbiegenden Streufahrzeug erfasst worden war.
Das Winterwetter hat auch Einfluss auf den Flugbetrieb. Der Frankfurter Flughafen bittet Reisende, am Freitag und Samstag bereits drei Stunden vor Abflug im Terminal zu sein. Vom Flughafen in Hamburg heißt es, Start- und Landebahnen sowie Flugzeuge würden seit dem frühen Morgen von Schnee und Eis befreit. Der Berliner Flughafen BER verweist auf seiner Webseite auch auf Probleme an anderen Flughäfen. Dadurch gerieten Flugpläne durcheinander.
An den genannten Flughäfen komme es zu Verzögerungen, vereinzelt auch zu Flugstreichungen durch die Airlines, so die Betreiber. Die Flughafenbetreiber verweisen für weitere Informationen zu konkreten Flügen auf die Fluggesellschaften.
Ein Flughafenmitarbeiter am Hamburger Flughafen arbeitet an einem Lufthansa-Flugzeug, während sich ganz Deutschland auf noch mehr Schnee und Eis vorbereitet.
Angesichts der erwarteten Schnee- und Eismassen am Wochenende spricht Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder eine deutliche Warnung aus. "All die, die nicht unbedingt unterwegs sein müssen, sollten zuhause bleiben", sagte Schnieder am Donnerstag bei Welt TV. Für Straßen- und Bahnsicherheit seien in den kommenden Tagen Tausende Menschen im Einsatz, erklärte Schnieder.
Mehr als 6.000 Straßenwärter und 14.000 Bahnmitarbeitende sorgten dafür, dass die Bahnhöfe, Bahnsteige und Weichen freigeräumt würden und der Verkehr fließe. Es solle nicht übertrieben werden; dennoch sei Vorsicht "immer ein guter Ratgeber", so der Minister. Sicherheit gehe immer vor, und nicht alles sei vorhersehbar, gerade nicht im Bereich des Wetters.
In ganz Niedersachsen bleiben die Schulen am Freitag für den regulären Schulbetrieb geschlossen. Während es an einigen Schulen Distanzunterricht geben soll, fällt der Unterricht an anderen aus, wie aus einer Übersicht der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen und Mitteilungen der Landkreise und Städte hervorgeht.
Der Fußball-Bundesliga könnte ein Spielausfall bevorstehen. Angesichts der heftigen Schneefälle und des bevorstehenden Schneesturms kann der FC St. Pauli nach eigener Aussage keine Garantie für die Austragung seines Heimspiels am Sonnabend gegen RB Leipzig abgegeben.
Wegen des erwarteten Sturmtiefs lässt VW am Freitag in Emden die Produktion ruhen. Beide Schichten würden entfallen, die Bänder für einen Tag stillstehen, bestätigte ein Sprecher auf Anfrage. Zuvor hatte die Nordwest-Zeitung berichtet. Ein eigentlich für Ende Januar in Emden geplanter Ruhetag sei auf diesen Freitag vorgezogen worden. Grund sei die sich abzeichnende Wetterlage und daraus folgende Probleme für Mitarbeiter und Lieferketten.
In Emden werden die Elektromodelle ID.4 und ID.7 gebaut. An allen anderen VW-Standorten werde die Produktion "nach jetzigem Strand" normal laufen, fügte der Sprecher hinzu.
Wie in Deutschland führt auch in vielen Teilen Europas das eisige Winterwetter zu Einschränkungen. Im Norden Schottlands bleiben viele Schulen bereits den vierten Tag in Folge wegen starken Schneefalls geschlossen. Der britische Wetterdienst warnt zudem vor dem nächsten Sturmtief, das Schnee und Stürme in Teile des Vereinigten Königreichs bringen und damit Einschränkungen auslösen soll. In Frankreich werden Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde ab Donnerstagabend erwartet, insbesondere an der Küste des Ärmelkanals.
In Südosteuropa verursachten Schnee und vereiste Straßen bei Tiefsttemperaturen im zweistelligen Minusbereich Verkehrsbehinderungen und Stromausfälle. In Rumänien sind rund 11.000 Haushalte ohne Strom, auch in Serbien gab es wetterbedingt Stromausfälle.
Auch in Teilen des Vereinigten Königreichs gibt es viel Schnee, wie hier in Nordengland. In Schottland sind viele Schulen seit Tagen geschlossen.
Wegen des Winterwetters und vielerorts starkem Schneefall sind Streusalz und andere Taumittel in zahlreichen Baumärkten vorübergehend ausverkauft. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei großen Baumarktketten. Jörn Brüningholt vom Baumarktverband BHB gibt dennoch Entwarnung. "Von einer Versorgungsnotlage sind wir derzeit weit entfernt."
Die Umweltorganisation BUND rät Hausbesitzern, Sand, Kies, Sägespäne oder umweltzertifiziertes Streugut statt Streusalz oder Splitt zu verwenden. In einigen Bundesländern ist der Einsatz von Streusalz untersagt. In Hamburg wurde das Verbot wegen der extremen Wetterlage vorübergehend aufgehoben.
Der erwartete Wintersturm "Elli" bringt an der niedersächsischen Nordseeküste den Fährverkehr angesichts möglicher orkanartiger Böen, unwetterartiger Schneefälle und Niedrigwasser weitgehend zum Stillstand. Mehrere Inseln sind am Freitag nicht per Schiff erreichbar - darunter Langeoog, Norderney und Wangerooge.
Eingestellt wird am Freitag auch der Fährverkehr zwischen der ostfriesischen Insel Juist und dem Festland - wegen der aktuellen Vorhersage für Wind und Wasserstände, teilten die Betreiber mit. Auch im Inselverkehr zwischen Emden und der Insel Borkum fallen am Freitag einzelne Fährfahrten aus.
Schnee liegt auf dem Oberdeck des Museumsschiff "Rickmer Rickmers" an den Landungsbrücken im Hamburger Hafen.
ARD-Wetterexperte Danijel Stanic warnt im Mittagsmagazin vor einer sich verschärfenden Wetterlage in der Nacht auf Freitag und am Freitag. Beginnend im Südwesten Deutschlands gehe der Regen des Sturmtiefs "Elli" in Schnee über. Besonders im Südosten bestehe in der Nacht Glättegefahr. Die Wetterlage am morgigen Freitag sei "brisant".
Angesichts von Neuschnee und Minustemperaturen fordert der Paritätische Niedersachsen die Menschen auf, Wohnungslose nicht aus den Augen zu verlieren. "Wer bei Minusgraden auf der Straße lebt, ist real in Not. Kälte, Nässe und fehlender Schutz lassen den Körper schnell auskühlen - mit teils tödlichen Folgen", sagte die Landesverbandsvorsitzende Kerstin Tack.
Es komme in diesen Tagen darauf an, dass niemand wegschaue, betonte Tack. "Jede Begegnung kann Leben retten: Menschen ansprechen, Hilfe anbieten und bei gesundheitlichen Warnzeichen sofort den Notruf wählen."
In Schleswig-Holstein konnte ein zwölfjähriges Mädchen noch rechtzeitig aus dem Wasser geholt werden, nachdem sie durch zu dünnes Eis eingebrochen war, wie die Polizei mitteilte. Das Kind war mit seinem Hund an der Anlegestelle eines Sees in Mölln unterwegs, als beide auf die nicht tragfähige Eisfläche gerieten und einbrachen. Ein Mann zog das bereits fast komplett unter Wasser geratene Kind schließlich aus dem See. Der Hund konnte allerdings nicht gerettet werden.
Auch am Bodensee musste ein Mensch gerettet werden, dabei brach auch einer der Helfer ein. Beide konnten aus dem etwa drei Grad kalten Wasser gerettet werden. Sie wurden mit Unterkühlungen in ein Krankenhaus gebracht.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) informiert laufend über die Warnsituation in Deutschland. Die Übersicht über alle aktuellen Wetterwarnungen finden Sie hier:
ARD-Wetterexperte Stefan Laps gibt in der tagesschau den Überblick über die erwartete Wetterlage über Deutschland.
Trotz des befürchteten Wetterchaos in den nächsten Tagen sind derzeit die Partien zum Jahresauftakt in der Bundesliga nicht gefährdet. Man schaue vor allem auf die Situation im Norden und bewerte die Situation täglich neu, sagte ein Sprecher der Deutschen Fußball Liga (DFL). Im besonders betroffenen Norden finden am Samstag mit Werder Bremen - TSG 1899 Hoffenheim, 1. FC Union Berlin - FSV Mainz 05 und FC St. Pauli - RB Leipzig drei Begegnungen statt.
Wegen des Winterwetters mit Glättegefahr bleiben am Freitag in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie in Teilen Niedersachsens die Schulen geschlossen. Nach Angaben der zuständigen Behörden gibt es aber Notbetreuung und teilweise Distanzunterricht. Allein in Hamburg und Bremen sind mehr als 350.000 Schülerinnen und Schüler betroffen.
Auch in niedersächsischen Landkreisen und Städten fällt der Unterricht in den Schulen aus, teilweise war dies bereits heute der Fall. Vor allem der Nordwesten des Bundeslandes ist betroffen. Die Entscheidung treffen die jeweiligen Behörden vor Ort. Laut Kultusministerium geschieht dies meist am Vorabend oder am frühen Morgen des jeweiligen Schultages.
Die Deutsche Bahn reduziert wegen des Winterwetters ihr Angebot im Fernverkehr in Teilen Norddeutschlands und empfiehlt Reisenden, ihre Fahrten zu verschieben. "Alle Fahrgäste, die bis einschließlich 7. Januar 2026 ein Ticket für eine Reise vom 8. bis zum 10. Januar 2026 gekauft haben und diese aufgrund der Winterwitterung verschieben möchten, können ihr Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen", erklärte die Bahn.
Wegen des befürchteten Wetterchaos hat die Bundes-CDU ihre Vorstandsklausur in Mainz abgesagt. Eine Parteisprecherin verwies zur Begründung auf die "eindringlichen Wetterwarnungen und die damit verbundene Gefahrenlage", die ein Festhalten an dem für Freitag und Samstag geplanten Treffen der Parteispitze zu gefährlich erscheinen ließen.
Deutschland steht eine turbulente Wetterlage bevor. Besonders ungemütlich soll es ab der Nacht zum Freitag werden, wenn Sturmtief "Elli" über Deutschland zieht. Schon jetzt sind vielerorts Einschränkungen zu spüren. Lesen Sie alle Entwicklungen in unserem Liveblog.