Machado vs. Rodríguez: Hat Venezuelas Opposition noch eine Chance?
Nach dem US-Angriff machte sich die Opposition in Venezuela Hoffnung. Doch dann wurde klar, dass Trump das alte Regime stützt. Hat Oppositionsführerin Machado noch eine Chance gegen die neue Präsidentin Rodríguez? Von Anne Demmer.

Machado versus Rodríguez Hat Venezuelas Oppositionsführerin eine Chance?
Stand: 11.01.2026 18:57 Uhr
Nach dem US-Angriff machte sich die Opposition in Venezuela Hoffnung. Doch dann wurde klar, dass Trump das alte Regime stützt. Hat Oppositionsführerin Machado noch eine Chance gegen die neue Präsidentin Rodríguez?
Von Anne Demmer, ARD Mexiko-Stadt
Am vergangenen Sonntag wurde sie vereidigt: Delcy Rodríguez, 55 Jahre, Juristin, seit Jahren engste Vertraute des bisherigen Staatschefs Nicolás Maduro.
Nur wenige Tage nach dem US-Militärangriff auf Venezuela und der Gefangennahme Maduros ist sie, vorerst, die mächtigste Frau Venezuelas. Rodríguez verkörpert den bolivarischen Sozialismus mit pragmatischen Zügen, wie Beobachter es beschreiben.
Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt als Übergangspräsidentin standen an ihrer Seite ihr Bruder Jorge Rodríguez, Parlamentspräsident, sowie die Schlüsselfiguren des Militärs - der entscheidende Machtfaktor. Es war ein demonstratives Signal: Die Gruppe, die sich bislang mit Maduro die Macht teilte, bleibt geeint.
Im Gegensatz zu Machado ist Rodríguez Teil des bisherigen Establishments. Auch das Militär hat sich vorerst hinter sie gestellt.
Balanceakt zwischen Washington und Chavismus
Doch wie lange? Venezuela hat 2.500 Generäle und Admiräle, jeder mit eigenen Geschäftsinteressen. Rodríguez sei bei den Sicherheitskräften nicht beliebt, erklärt der Ökonom Manuel Sutherland: "Das Militär hat seine eigenen Forderungen. Sie wird unter großem Druck stehen und hart verhandeln müssen, damit nicht der Eindruck entsteht, dass sie sich selbst rettet und die anderen im Stich lässt."
Ein Balanceakt: Einerseits muss sie den harten Kern des Chavismus in Schach halten, allen voran Innenminister Diosdado Cabello. Andererseits muss sie Washington zufriedenstellen. Rodríguez versucht beides und bekundet die "Zusammenarbeit" mit den USA im Ölhandel, gleichzeitig klagt sie an: Drogenhandel und Menschenrechte seien nur ein Vorwand für den US-Angriff gewesen, "der wahre Grund ist das venezolanische Öl".
Darum macht Trump am Ende selbst keinen Hehl: Es geht ihm nicht um Demokratie, sondern um Ressourcen. Wenige Tage nach dem Angriff kündigte er an, die USA würden bis zu 50 Millionen Barrel Rohöl von Venezuela erhalten - Wert: 2,8 Milliarden Dollar. Und die Drohung des US-Präsidenten war deutlich: Wenn Delcy Rodríguez nicht kooperiere, werde sie einen höheren Preis als Maduro zahlen.