Nach tödlichen Schüssen protestieren Hunderte gegen US-Einwanderungsbehörde
Ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE hat in Minneapolis bei einem Einsatz eine US-Amerikanerin erschossen. Die Regierung spricht von Notwehr. Hunderte Menschen gingen aus Protest auf die Straße.

Stand: 08.01.2026 11:24 Uhr
Ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE hat in Minneapolis bei einem Einsatz eine US-Amerikanerin erschossen. Die Regierung spricht von Notwehr. Hunderte Menschen gingen aus Protest auf die Straße.
Man kann sich die Szene im Netz ansehen, aus drei Blickwinkeln: Drei vermummte Uniformierte gehen auf das Fahrzeug zu, es steht quer hinter einem anderen SUV. Einer rüttelt an der Tür, offenbar um die Fahrerin herauszuholen. Ein anderer, vorn seitlich an der Motorhaube, schießt sofort mehrfach, als das Auto losfährt. Die Fahrerin wird laut Polizei am Kopf getroffen und später im Krankenhaus für tot erklärt.
Ob der Beamte vom Fahrzeug berührt wird, ist nicht genau zu erkennen. Auf einem der Videos sieht es so aus, als rutsche der Mann auf der eisigen Straße kurz aus und berühre den Wagen dabei. Das Auto prallt dann nach einigen Metern gegen einen Strommast und ein parkendes Auto. Ermittlungen zu dem Vorfall laufen. Laut Polizei soll es sich bei der Toten um eine 37-jährige weiße US-Amerikanerin handeln. Nach bisherigen Erkenntnissen deute nichts darauf hin, dass die Frau im Fokus der Behörden stand.
Heimatschutzministerin Kristi Noem sagte, die Frau habe versucht, Einsatzkräfte zu überfahren. Sie sprach von einem "defensiven" Schusswaffeneinsatz zum Schutz der Beamten und Unbeteiligter. Trump schrieb auf seiner Onlineplattform Truth Social, die Frau habe mit ihrem Fahrzeug einen ICE-Beamten "gewaltsam und vorsätzlich" angegriffen.
Der Beamte habe in einer lebensbedrohlichen Situation gehandelt und befinde sich inzwischen zur Erholung im Krankenhaus. Auf den Bildern ist eine Verletzung des Mannes jedoch nicht zu erkennen. Er bewegte sich nach dem Vorfall ohne Hilfe weiter.
Lokale Behörden widersprechen Trump
Die Aussagen des Präsidenten und des Heimatschutzministeriums stehen im Widerspruch zur Darstellung der Stadt Minneapolis. Der demokratische Bürgermeister Jacob Frey kritisierte den Einsatz scharf. Die Darstellung der Selbstverteidigung nach Sichtung von Videoaufnahmen wies er entschieden zurück. Er warf den Bundesbehörden auch vor, die Lage eskaliert zu haben.
Nach dem tödlichen Vorfall gab es Proteste. Menschen aus der Nachbarschaft eilten zum Tatort, pfiffen mit Trillerpfeifen und riefen den Beamten "Schande, Schande" und "Haut ab hier" zu. Am Nachmittag Ortszeit versammelten sich Hunderte. Sie stellten Kerzen auf und skandierten auch noch nach Einbruch der Dunkelheit Parolen gegen die Einwanderungsbehörde ICE und forderten den Abzug der Beamten aus der Stadt.
Größere Aktion der Einwanderungsbehörde in Minnesota
Eine ICE-Operation in Minneapolis und St. Paul, an der nach Angaben des Heimatschutzministeriums mehr als 2.000 Bundesbeamte beteiligt sind, läuft seit mehreren Tagen. Ziel der Einsätze sind demnach Ermittlungen im Zusammenhang mit mutmaßlichem Betrug, unter anderem im Umfeld der somalischen Community. US-Medien diskutieren, ob der von den Behörden genannte Einsatzgrund als Vorwand für eine politisch motivierte Verschärfung der Einwanderungspolitik dient.