Neujahrsmesse: Papst fordert "Epoche des Friedens und der Freundschaft"
Papst Leo XIV. hat vor Tausenden Gläubigen im und vor dem Petersdom seine erste Neujahrsmesse gehalten. Darin rief er zu einer "Epoche des Friedens und der Freundschaft" auf. Von Moritz Pompl.

Stand: 01.01.2026 16:53 Uhr
Papst Leo XIV. hat vor Tausenden Gläubigen im und vor dem Petersdom seine erste Neujahrsmesse gehalten. Darin rief er zu einer "Epoche des Friedens und der Freundschaft" auf.
Von Moritz Pompl, ARD Rom
Bei Temperaturen knapp über null Grad ist Brigitte am Morgen unterwegs in den Petersdom. Die Französin ist eine von Tausenden Menschen, die heute hier mit Papst Leo dessen erste Neujahrsmesse feiern wollen. "Die Kälte ist nicht schlimm. Unsere Herzen sind warm", sagt sie. Brigitte ist gespannt auf die Predigt des Papstes.
Innen, im vollbesetzten Petersdom, fordert Papst Leo XIV. einen entwaffneten und entwaffnenden Frieden - genauso wie sich Gott uns gezeigt habe: unbewaffnet und entwaffnend in der Wiege.
Damit lehrt er uns, dass die Welt nicht durch das Schärfen von Schwertern gerettet wird. Durch das Verurteilen, Unterdrücken oder Beseitigen von Brüdern und Schwestern. Sondern vielmehr durch das unermüdliche Bemühen, zu verstehen, zu vergeben, zu befreien und alle anzunehmen, ohne Berechnung und ohne Angst.
Bemühen um Frieden in der Welt
Mit diesem Friedensappell nimmt Papst Leo die Worte auf, die er am Abend seiner Papstwahl am 8. Mai 2025 gesagt hatte: "Der Friede sei mit Euch allen". Seitdem hat sich Leo immer wieder um Frieden in der Welt bemüht; den Vatikan als möglichen Ort für Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland ins Gespräch gebracht; an das Leiden der Menschen in Gaza, im Sudan und an anderen Orten der Welt erinnert.
Kurz vor Weihnachten hatte er zu einer weltweiten, 24-stündigen Waffenruhe aufgerufen. Jetzt, kurz nach dem Jahreswechsel, sagt er:
Während sich der Rhythmus der Monate wiederholt, lädt uns der Herr ein, unsere Geschichte zu erneuern und endlich eine Epoche des Friedens und der Freundschaft zwischen allen Völkern einzuleiten. Ohne diese Sehnsucht nach dem Guten hätte es keinen Sinn, die Seiten des Kalenders umzublättern und unsere Terminkalender zu füllen.
Das Neue Jahr sieht Leo als möglichen Neubeginn. In einer Botschaft zum heutigen Weltfriedenstag, den die katholische Kirche seit fast 60 Jahren begeht, hatte Leo im Vorfeld der Messe scharfe Kritik geübt: Kritik an steigenden Rüstungsausgaben - daran, dass auch das Denken zunehmend militarisiert und dass der Krieg religiös überhöht werde.
Aufruf zur Diplomatie
Verfeindete Staaten rief er dazu auf, auf Diplomatie zu setzen und miteinander zu verhandeln. "Jeder Tag kann für jeden von uns der Beginn eines neuen Lebens sein." Und es sei schön, in diesem Sinn an das frisch angebrochene Jahr zu denken. "Als einen offenen Weg, den es zu entdecken gilt, auf den wir uns dank der Gnade begeben können, als freie Menschen und Überbringer von Freiheit", so der Papst.