Obdachlosen droht Kältetod - Gefahr steigt mit Sturm "Elli"
Temperaturen von bis zu minus 15 Grad können für Menschen, die auf der Straße leben, den Tod bedeuten. Vier Kältetote zählt die BAG Wohnungslosenhilfe in diesem Winter bereits. Mit Sturmtief "Elli" steigt die Gefahr. Von L. Cloppenburg.

Minusgrade im Winter Vielen Obdachlosen droht der Kältetod
Stand: 09.01.2026 20:34 Uhr
Temperaturen von bis zu minus 15 Grad können für Menschen, die auf der Straße leben, den Tod bedeuten. Vier Kältetote zählt die BAG Wohnungslosenhilfe in diesem Winter bereits. Mit Sturmtief "Elli" steigt die Gefahr.
Von Laura Cloppenburg, SWR
Jeden Tag um sieben Uhr morgens stehen die ersten Obdachlosen vor der Tür der Tagesstätte Olga 46 der Caritas in Stuttgart. Hier, das wissen sie, bekommen sie nach einer harten Nacht in der Kälte das rettende Heißgetränk und eine warme Stube, in der sie zu Kräften kommen können. Auch für Uwe Glauer ist die Einrichtung überlebenswichtig. Seit 30 Jahren lebt der 69-Jährige auf der Straße.
Glauer kennt die Tricks, um nachts der Kälte standzuhalten: Windgeschützte Plätze suchen, eng in die Decke einwickeln, um die Eigenwärme zu halten, und auf keinen Fall Alkohol, erzählt er. Der sei ihm schon mal fast zum Verhängnis geworden, weil er Kältekrämpfe auslöse und bewegungsunfähig mache. Aber auch, wenn er auf seine Erfahrung bauen kann, bei minus zehn bis minus 15 Grad können die Nächte auch für ihn lebensgefährlich werden. Zuflucht am frühen Morgen sei da das Mindeste.
Sozialverbände warnen vor Lebensgefahr
Vier Todesopfer hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe in diesem Winter schon gezählt. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, sagt Geschäftsführerin Sabine Bösing.
Das kann Leben retten
Der Paritätische Niedersachsen fordert dazu auf, Wohnungslose nicht aus den Augen zu verlieren. Am besten sei es, die Menschen direkt anzusprechen, Hilfe anzubieten und bei gesundheitlichen Warnzeichen sofort den Notruf zu wählen.
Mehr als 50.000 Menschen leben in Deutschland aktuell auf der Straße, sind den Minusgraden teils schutzlos ausgeliefert. Mit Blick auf die aktuelle Wetterlage lautet daher ihr dringender Appell an die Kommunen in Deutschland ihrer gesetzlichen Pflicht nachzukommen und den Menschen Erfrierungsschutz zu bieten.
Obdachlosenhilfe fordert mehr Einrichtungen
Es brauche viel mehr niederschwellige, barrierefreie und teilweise individuell angepasste Übernachtungsangebote, breit gestreute Information und Einrichtungen, die 24/7 geöffnet bleiben, statt die Menschen abends wieder auf die Straße zu entlassen, wo sie dann nur noch ein Kältebus finde, so Bösing.