Proteste im Iran: Irans Präsident will Bürgern zuhören und warnt vor "Terroristen"
Die Regierung sollte auf die Sorgen der protestierenden Menschen eingehen, sagt Irans Staatsoberhaupt Massud Peseschkian. Zugleich sprach er abfällig über "Randalierer".
Die Regierung sollte auf die Sorgen der protestierenden Menschen eingehen, sagt Irans Staatsoberhaupt Massud Peseschkian. Zugleich sprach er abfällig über "Randalierer".
Aktualisiert am 11. Januar 2026, 17:14 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP, dpa, Reuters, sc
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Irans Präsident Massud Peseschkian (Mitte) bei einem Treffen mit dem Chef der Teheraner Polizei Anfang Januar © Iranian Presidency/imago images
Irans Präsident Massud Peseschkian hat angesichts der seit zwei Wochen andauernden Proteste beteuert, er wolle den Demonstranten zuhören. Er warnte in einem Interview des Staatsfernsehens aber vor weiteren Unruhen. "Die Menschen haben Sorgen. Wir sollten uns mit ihnen zusammensetzen und, wenn es unsere Pflicht ist, ihre Sorgen ausräumen", sagte Peseschkian. "Aber die höhere Pflicht besteht darin, nicht zuzulassen, dass eine Gruppe von Randalierern kommt und die gesamte Gesellschaft zerstört." Die Jugend des Landes dürfe sich nicht durch "Terroristen" täuschen lassen. Die iranische Bevölkerung rief Peseschkian dazu auf, "Vertrauen in unseren Willen zur Durchsetzung der Gerechtigkeit" zu haben.
Die iranische Führung blockiert das Internet den vierten Tag infolge. Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks teilte auf X mit, die Internetsperre dauere nun seit mehr als 60 Stunden an. Es handele sich um Zensur und stelle eine direkte Bedrohung für die Sicherheit und das Wohlergehen der Iraner dar. Durch die Internetsperren und Telefonblockade will die iranische Führung in der Regel die Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Außerdem soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Massenproteste unterdrückt werden.
Demonstrationen in 185 Städten
Die Maßnahme schürt zudem die Sorge, dass die Führung in Teheran wie schon bei vergangenen Protesten den Blackout nutzen könnte, um die Demonstrationen brutal niederzuschlagen. Die Massenproteste im Iran halten trotz der wachsenden Zahl von Getöteten und exzessiver Drohungen des Sicherheitsapparats an. Laut Aktivisten haben sich die Demonstrationen auf 185 Städte ausgeweitet. Menschenrechtsorganisationen zufolge gab es mittlerweile schon Hunderte Tote. Die in den USA ansässige Organisation HRANA sprach von mindestens 466 Toten**,** nachdem zuvor von 203 die Rede gewesen war.