Regime im Iran droht Demonstranten mit harten Anklagen
Der Iran hat seine Bürger mit einer scharfen Drohung vor weiteren Protesten gewarnt. Der Generalstaatsanwalt nannte die Demonstranten "Feinde Gottes". Auch gestern hatte es wieder Aufmärsche gegeben.

Anhaltende Proteste im Iran Regime droht Demonstranten mit harten Anklagen
Stand: 10.01.2026 20:35 Uhr
Der Iran hat seine Bürger mit einer scharfen Drohung vor weiteren Protesten gewarnt. Der Generalstaatsanwalt nannte die Demonstranten "Feinde Gottes". Auch gestern hatte es wieder Aufmärsche gegeben.
Inmitten der fast zwei Wochen andauernden Proteste im Iran droht das Regime, sein Vorgehen gegen die Demonstrierenden zu verschärfen. Der iranische Generalstaatsanwalt Mohammad Movahedi Azad warnte laut Nachrichtenagentur AP, dass jeder, der an Protesten teilnimmt, als "Feind Gottes" betrachtet werde. Auf dieses Vergehen steht im Iran die Todesstrafe.
In der Erklärung, die laut AP vom iranischen Staatsfernsehen ausgestrahlt wurde, hieß es, dass sogar diejenigen, die "Randalierern geholfen" hätten, mit dieser Anklage rechnen müssten. "Die Staatsanwaltschaften müssen sorgfältig und unverzüglich durch die Erhebung von Anklagen die Grundlagen für den Prozess und die entscheidende Konfrontation mit denjenigen schaffen, die durch Verrat an der Nation und Schaffung von Unsicherheit die Fremdherrschaft über das Land anstreben", hieß es. Die Verfahren müssten ohne Nachsicht, Mitgefühl oder Nachgiebigkeit durchgeführt werden.
Aufnahmen von großen Menschenmengen
Gestern hatten erneut zahlreiche Menschen in verschiedenen Großstädten des Landes gegen die Regierung protestiert. Aufmärsche gab es unter anderem in den Millionenmetropolen Teheran und Maschhad. Trotz der verhängten Internetsperre teilten Menschen Videos von Menschenansammlungen an zentralen Plätzen in den sozialen Medien.
Staatliche Medien berichteten, dass in Karaj westlich von Teheran ein städtisches Gebäude in Brand gesetzt worden sei. Das staatliche Fernsehen zeigte Aufnahmen von Beerdigungen von Angehörigen der Sicherheitskräfte, die laut Angaben des Senders bei Protesten in den Städten Shiraz, Qom und Hamedan getötet worden waren.
In den meisten Städten des Landes habe aber Ruhe geherrscht, so das Staatsfernsehen - im Widerspruch mit den Aufnahmen in sozialen Medien. Unabhängig verifizieren lassen die sich bislang nicht.
Widersprüchliche Angaben zu Todesopfern
Die Zahl der Todesopfer im Zuge der Proteste ist nach Angaben der in den USA ansässigen Human Rights Activists News Agency (HRANA) auf mindestens 65 gestiegen. Mehr als 2.300 weitere seien festgenommen worden, berichtete die Organisation, die sich bei ihrer Berichterstattung auf ein Netzwerk von Aktivisten innerhalb des Irans stützt.
Das Staatsfernsehen und der iranischen Führung nahe stehende Organisationen wie der Club junger Journalisten meldeten lediglich mehrere Tote in den Reihen der Sicherheitskräfte und regierungstreuer Milizen. Auch diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Unterstützung von der EU, Drohungen aus den USA
Die EU steht nach den Worten von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen "voll" hinter den Demonstranten im Iran. "Wir verurteilen klar die gewaltsame Unterdrückung dieser rechtmäßigen Demonstrationen", erklärte von der Leyen in einer Online-Botschaft
"Die Vereinigten Staaten unterstützen das mutige Volk des Iran", schrieb auch US-Außenminister Marco Rubio auf der sozialen Plattform X. Sein Ministerium warnte separat: "Spielen Sie keine Spielchen mit Präsident Trump. Wenn er sagt, dass er etwas tun wird, dann meint er es auch so." US-Präsident Donald Trump hat schon mehrfach gedroht, militärisch einzugreifen, wenn der Iran weiter mit Gewalt gegen die Proteste vorgeht.
Schah-Sohn ruft zu Streiks auf
Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, rief derweil aus seinem Exil in den USA erneut zu landesweiten Streiks im Iran auf. Arbeiter und Angestellte von Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und Energieindustrie sollten ihre Arbeit niederlegen, erklärte Pahlavi auf der Plattform X.
Ziel sei es, die finanziellen Lebensadern zu schwächen und den Unterdrückungsapparat in die Knie zu zwingen. Pahlavi rief außerdem für Samstag und Sonntag um 18.00 Uhr (Ortszeit) zu Demonstrationen auf. Dabei gehe es nicht nur darum, auf die Straßen zu gehen, sondern zentrale Plätze in Städten zu besetzen und zu halten.
Proteste dauern seit fast zwei Wochen an
Aus seinem Exil heraus beansprucht Pahlavi eine Führungsrolle in der Opposition. Im Iran gibt es seit Jahren keine politische Kraft mehr, die von den Demonstranten als glaubwürdige Opposition anerkannt wird. Viele Menschen im Land setzen daher ihre Hoffnungen auf Unterstützung aus dem Ausland. Bei den aktuellen Massenprotesten ertönte auch der Slogan "Lang lebe der König" - ein direkter Hinweis auf den im Exil lebenden Sohn des früheren Schahs.
Die Proteste begannen Ende Dezember, ausgelöst durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der iranischen Währung Rial. In Teheran gingen zunächst wütende Händler auf die Straße. Inzwischen haben sich die Proteste auf das gesamte Land ausgeweitet.