Südafrika: Giftpfeile aus der Steinzeit gefunden
Ein Forscherteam hat in Südafrika herausgefunden, dass Menschen bereits vor 60.000 Jahren bei der Jagd Pflanzengifte eingesetzt haben. Die Steinzeitmenschen müssen über ein erstaunliches chemisches Wissen verfügt haben. Von S. Ueberbach.

Stand: 08.01.2026 06:30 Uhr
Ein Forscherteam hat in Südafrika herausgefunden, dass Menschen bereits vor 60.000 Jahren bei der Jagd Pflanzengifte eingesetzt haben. Die Steinzeitmenschen müssen über ein erstaunliches chemisches Wissen verfügt haben.
Es ist ein bemerkenswerter Fund, denn er beweist, dass Menschen im südlichen Afrika schon während der Steinzeit ihre Jagdwaffen mit Pflanzengiften präpariert haben. Ein Forschungsteam aus Schweden und Südafrika konnte auf mehreren aus Quarzstein gefertigten Pfeil- oder Messerspitzen chemische Rückstände der hochgiftigen Substanzen Buphandrin und Epibuphasinin nachweisen, die aus der sogenannten Fächerlilie stammen. Ihre Entdeckung veröffentlichten die Forschenden in der Fachzeitschrift Science Advances.
Die Pflanze ist auch als Gifbol oder Giftzwiebel bekannt. Ihr milchiger Saft wird in der Region bis heute sowohl als traditionelles Heilmittel als auch für die Herstellung von Gift genutzt, das schon in kleinen Mengen für Tiere tödlich sein kann.
Alter auf rund 60.000 Jahre geschätzt
Entdeckt wurden die Pfeilspitzen in der heutigen südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal im Osten des Landes, in einer Erdschicht, deren Alter auf rund 60.000 Jahre datiert wird. Sie sind damit der mit großem Abstand älteste Beleg für die Verwendung von Pfeilgift. Und sie zeigen, dass die Vorfahren des modernen Menschen nicht nur den Bogen viel früher erfunden haben als bisher angenommen, sondern auch damals bereits in der Lage waren, mit Hilfe der natürlichen Chemie ihre Effizienz bei der Jagd zu steigern.
Nach Ansicht der Forschenden diente das Gift dazu, kleinere Beutetiere zu töten und größere zumindest erheblich zu schwächen. Das machte es den Jägern leichter, sie zu verfolgen und schließlich zu erlegen. Der Fund ist damit, wie es in der Studie der Wissenschaftler heißt, ein faszinierendes Zeichen für fortgeschrittenes Denken bei frühen Menschen. Denn für einen gezielten Einsatz toxischer Substanzen ist es notwendig, die Wirkung bestimmter Pflanzen zu kennen, sie richtig dosiert zu verarbeiten und ihre Wirkung zeitlich einschätzen zu können.
