So klappt‘s laut Wissenschaft mit den Neujahrsvorsätzen
Mehr Sport, mehr Obst, weniger Social Media - Vorsätze für das neue Jahr sind schnell formuliert, sie umzusetzen braucht Geduld. Was noch wichtig ist, darüber haben sich Forschende Gedanken gemacht. Von L. Boucheligua, R. Kölbel und A. Neumann.

Psychologie So klappt’s mit den guten Vorsätzen
Stand: 01.01.2026 07:58 Uhr
Mehr Sport, mehr Obst, weniger Social Media - Vorsätze für das neue Jahr sind schnell formuliert, sie umzusetzen braucht Geduld. Was noch wichtig ist, darüber haben sich Forschende Gedanken gemacht.
Von Leila Boucheligua, Ralf Kölbel, Annemarie Neumann, SWR
Der Jahreswechsel gilt als symbolischer Neuanfang, als Gelegenheit, Dinge besser zu machen. "Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung ist schwer", wusste schon Johann Wolfgang von Goethe.
Warum scheitern so viele gute Vorsätze bereits nach wenigen Wochen? Und wie können wir es schaffen, sie langfristig umzusetzen?
Die beliebtesten Neujahrsvorsätze der Deutschen
Laut dem Datenportal statista haben sich 52 Prozent der Befragten für das Jahr 2026 vorgenommen, mehr zu sparen. Die Hälfte will sich gesünder ernähren. Auf den Plätzen drei und vier im Ranking der häufigsten guten Vorsätze folgen: "mehr Sport treiben" (48 Prozent) sowie Gewichtsreduktion (37 Prozent).
Weitere beliebte Ziele sind: mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen, nachhaltiger leben, weniger Alkohol trinken oder soziale Medien seltener nutzen.
Doch die Realität sieht oft anders aus: Bereits nach wenigen Wochen werfen viele ihre Vorsätze über Bord. Eine Studie der Universität Scranton zeigt, dass nur etwa 8 Prozent der Menschen ihre Neujahrsvorsätze langfristig umsetzen. Andere Erhebungen kommen zu dem Ergebnis, dass schon in den ersten Wochen mehr als ein Viertel aller Vorsätze wieder aufgegeben wird.
Warum scheitern wir an unseren Vorsätzen?
Die Gründe für das Scheitern sind vielfältig. Häufig mangelt es an Motivation, Zeit oder Willenskraft. Ein zentraler Faktor liegt jedoch tiefer - in unserem Gehirn. Gewohnheiten und das Belohnungssystem spielen eine entscheidende Rolle.
Die Neurowissenschaftlerin Lieneke Janssen vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften erklärt, dass unser Gehirn besonders stark auf Belohnungen reagiert.
Essen wir beispielsweise eine Süßigkeit, wird der Neurotransmitter Dopamin freigesetzt, der ein positives Gefühl erzeugt. Das Gehirn lernt: Diese Handlung lohnt sich. Solche Reiz-Reaktionsmuster werden unbewusst gespeichert und sind nur schwer zu durchbrechen.
Neue Vorsätze erfordern dagegen bewusste Entscheidungen und aktive Kontrolle. Das kostet Energie und Durchhaltevermögen - vor allem in stressigen Phasen des Alltags. Vage oder zu ambitionierte Ziele verlieren dann schnell an Bedeutung und geraten in Vergessenheit.