Start-up-Gründungen dank Künstlicher Intelligenz auf Rekordniveau
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland so viele Start-ups gegründet wie nie zuvor. Als zentraler Wachstumstreiber gilt dabei der Bereich Künstliche Intelligenz. Von David Zajonz.

Stand: 08.01.2026 17:28 Uhr
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland so viele Start-ups gegründet wie nie zuvor. Als zentraler Wachstumstreiber gilt dabei der Bereich Künstliche Intelligenz.
Von einem eigenen Unternehmen hat Shahnawaz Mian schon als Kind geträumt. Damals habe er zum Spaß Geschäftsmodelle auf dem Papier entwickelt, sagt er.
Heute ist er 32 Jahre alt und hat sein Ziel erreicht. Im vergangenen Jahr hat er das Start-up Finokapi gegründet. Das Düsseldorfer Unternehmen hat eine Software entwickelt, mit der kleine und mittelgroße Firmen ihre Finanzen verwalten können.
"Keine langwierigen Entscheidungsprozesse"
Für seinen Co-Gründer und ihn sei früh klar gewesen, dass sie in ihrem Start-up Künstliche Intelligenz (KI) einsetzen wollen, so Mian. Denn in diesem besonders dynamischen Wirtschaftsbereich sieht er einen Wettbewerbsvorteil gegenüber alteingesessenen Unternehmen.
"Als Start-up profitieren wir davon, dass wir keine langwierigen Entscheidungsprozesse haben", sagt Mian. Er hat selbst jahrelang als Angestellter in einem größeren Unternehmen gearbeitet. "Die meisten Konzerne verstehen natürlich auch die Relevanz des Themas KI", so Mian, "aber sie sind einfach naturgegeben etwas schwerfälliger und träger".
Darüber hinaus hätten Start-ups keine "Altlasten" im Bereich Software, also keine bestehenden Programme, die inzwischen veraltet seien. Sie könnten Künstliche Intelligenz deshalb von Beginn an in ihre Anwendungen integrieren, sagt der Gründer.
Beispielloser Gründungsboom
Mehr als ein Viertel der Start-ups, die im vergangenen Jahr gegründet wurden, nutzen KI als wichtigen Bestandteil ihres Geschäftsmodells. Damit gilt Künstliche Intelligenz als zentraler Treiber eines beispiellosen Gründungsbooms, der gerade in Deutschland stattfindet.
Mit 3.568 neuen Start-ups im Jahr 2025 wurde ein Rekordwert erreicht. Laut Bundesverband Deutsche Startups lag die Zahl der Gründungen damit um 29 Prozent höher als noch im Vorjahr. "Das war jetzt nicht ein einmaliges Aufbäumen in 2025", sagt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands. Sie glaubt, dass sich der Trend auch im laufenden Jahr fortsetzen wird.
"Das ist natürlich ein gutes Zeichen, dass Deutschland ein Unternehmerland ist, dass hier die Unternehmen der Zukunft entstehen und dass wir es noch können", so Pausder. "Denn das ist ja manchmal das, was wir selber nicht mehr glauben."
Baumaterialien aus Holzabfällen - Joost Meyer wurde vom Forscher zum Gründer.
Vom Forscher zum Gründer
Dass er mal ein Start-up gründen würde, hätte Joost Meyer selbst nicht für möglich gehalten. Eigentlich ist er Wissenschaftler am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der RWTH Aachen. Seit Jahren forscht er dort an einer Methode, mit der aus Holzabfällen Baumaterialien hergestellt werden können. Universitätsstädte gelten als Hochburgen für Gründungen, weil dort besonders viel Innovation entsteht.
Nun ist Meyers Technologie so weit fortgeschritten, dass er unter anderem Möbel aus kompostierbarem Material produzieren kann. Um diese auf den Markt zu bringen, hat er vor einigen Monaten eine GmbH gegründet. Auf dem Weg vom Forscher zum Unternehmer müsse er jetzt lernen, wirtschaftlich zu denken, sagt Meyer.
Wenn in der Forschung mal etwas nicht klappe, sei das auch ein gutes Ergebnis. Schließlich habe man dadurch etwas gelernt. "In der Wirtschaft geht es halt nicht mehr darum, Erfahrungen und spannende Ergebnisse zu produzieren", so Meyer, "sondern da muss dann auch geliefert werden". Jetzt sucht er mit seinem Start-up Willowprint nach ersten Kundinnen und Kunden.
Vorfreude auf das erste Unternehmer-Gehalt
Der Düsseldorfer Shahnawaz Mian hat mit seinem Unternehmen bereits erste Kundinnen und Kunden, für die er seine Finanz-Software im Testbetrieb anbietet.
Derzeit lebt er noch von einem Gründungsstipendium des Bundes. Schon bald will er sich aber ein Gehalt aus seinem eigenen Unternehmen auszahlen.
