Sterne und Weltraum: Wenn die Gottheit auf uns herabschaut
Was macht den Zauber des Universums aus? Vier Schriftsteller blicken für uns ins All. Sie sehen Geschichten alter Seefahrer, tiefe Sehnsucht, Götter und Verbundenheit.

Gas und Staub eines sterbenden Sterns formen den Nebel NGC 1514 – der Blick ins All inspiriert seit jeher Mythologie, Kunst und Wissenschaft. © Michael Ressler/David Jones/STScI/CSA/ESA/Nasa; Letizia Le Fur
Was macht den Zauber des Universums aus? Vier Schriftsteller blicken für uns ins All. Sie sehen Geschichten alter Seefahrer, tiefe Sehnsucht, Götter und Verbundenheit.
Aus der ZEIT Nr. 01/2026 Aktualisiert am 2. Januar 2026, 19:29 Uhr
Lange bevor Menschen für Instagram vor Teleskopen posierten, lange bevor sie überhaupt Teleskope besaßen, ja, lange schon vor der Erfindung der Schrift haben Menschen nach oben geschaut. Wahrscheinlich seit Anbeginn der Menschheit. Jedenfalls zeugen heute noch Spuren aus dunkler Vorzeit vom Blick zu den Sternen. Der war schließlich auch nützlich. Das Firmament gab den Menschen Orientierung für den irdischen Alltag. Die Sterne strukturierten das Jahr, halfen bei der Navigation und gaben Anschauung für mythische Erzählungen und astrologische Deutungen. Doch der Sternenhimmel hat den Menschen nicht nur zu Nützlichem motiviert. Auch die Künste profitierten von seinem Einfluss, das zeigt ein Blick in die Kulturgeschichte – und insbesondere in die Literatur und Dichtung. Meditationen über das All bei Marc Aurel, die astronoetischen Glossen von Hans Blumenberg oder moderne Science-Fiction-Werken: Die unendlichen Weiten des Universums spiegeln sich in den unendlichen Weiten menschlicher Kreativität. Wir haben vier Schriftsteller gebeten, uns von ihrer Faszination am Universum zu berichten.
"Ein Mal irdisch gewesen zu sein"
Die Schriftstellerin Anja Kampmann findet im All die Kostbarkeit des menschlichen Blicks.
Sterne gehören in den großen Handwerkskoffer der Poesie, könnte man sagen. Die Frage ist nur: warum? Neulich las ich von der Kosmonautin Walentina Tereschkowa, die im Sommer 1963 in der Raumkapsel Wostok 6 um die Erde schwirrte, und zwar 48 Mal.
Bei aller Faszination für das, was sie dort draußen gesehen haben mag, fragte ich mich vor allem, wonach sie sich wohl sehnte. Wenn ungewiss ist, ob man je zurückkehrt, was bedeutet dann die Wiese vor einem Haus? Der Glanz auf den Federn eines Vogels?
Meine Eltern waren jung in dieser Zeit, der Sommer war heiß, die Menschen gingen einkaufen, und sie träumten. Die Menschen führten Kriege, die Menschen redeten über Wirtschaft, Schrankwände, Filterkaffee. Ein Klecks Marmelade auf dem Tisch, darauf landet eine Fliege, dann wurde er fortgewischt.
Wonach sehnte sich Walentina Tereschkowa dort draußen?