Stromerzeugung: Solarkraftwerke in Deutschland erzeugen erstmals mehr Strom als Kohle
Photovoltaikanlagen haben im vergangenen Jahr rund 87 Terawattstunden Strom geliefert. Der Anteil der Kohle am deutschen Strommix fiel dagegen auf 22,4 Prozent.
Photovoltaikanlagen haben im vergangenen Jahr rund 87 Terawattstunden Strom geliefert. Der Anteil der Kohle am deutschen Strommix fiel dagegen auf 22,4 Prozent.
Aktualisiert am 2. Januar 2026, 18:58 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP, lk
Ihr Browser unterstützt die Wiedergabe von Audio Dateien nicht. Download der Datei als mp3: https://zon-speechbert-production.s3.eu-central-1.amazonaws.com/articles/cb0e4416-2abd-42d4-804a-83918b3910cd/full_26899c0965b4b8e33daf68d310aad1759521ea60edeebd1486e785666faa484ad6ed957b5ecfc93f50abb4313930eafb.mp3

EU-weit lag die Photovoltaik 2025 erstmals vor der Kohlestromerzeugung. © Thilo Schmuelgen/Reuters
Die Solarkraftwerke in Deutschland haben im vergangenen Jahr erstmals mehr Strom als Braunkohlekraftwerke geliefert. Das geht aus einer Auswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) hervor. Photovoltaikanlagen erzeugten demnach insgesamt rund 87 Terawattstunden Strom, 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Braun- und Steinkohle am gesamten deutschen Strommix sei auf 22,4 Prozent gefallen. Die mit Abstand wichtigste Stromquelle blieb den Angaben zufolge mit 132 Terawattstunden die Windkraft. Der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix habe wie im Vorjahr bei 55,9 Prozent gelegen.
Die Bruttostromerzeugung aus Braun- und Steinkohle betrug laut ISE im vergangenen Jahr 106 Terawattstunden. Das war rund eine Terawattstunde weniger als 2024 und der niedrigste Wert seit 1956. EU-weit habe die Stromerzeugung aus Photovoltaik 2025 mit 275 Terawattstunden erstmals über der Summe aus Braun- und Steinkohle gelegen, die 243 Terawattstunden erreichte.
"Die Kohleverstromung lohnt sich ökonomisch oft nicht mehr", sagte Bruno Burger vom Fraunhofer ISE dem Spiegel. Durch die hohen Preise für Emissionsrechte sei Kohlestrom sehr teuer geworden. Der Abbau von Braunkohle dürfte nach Einschätzung Burgers 2025 sogar auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrhundert gefallen sein. Schon im Jahr zuvor war landesweit so wenig Braunkohle wie seit 1916 nicht mehr gefördert worden.
Ziele deutlich verfehlt
Bundestag und Bundesrat haben den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 beschlossen. Trotz des verfehlte Deutschland die selbst gesteckten Ziele deutlich. Die erneuerbare Nettostromerzeugung lag 2025 bei 256 Terawattstunden, angestrebt waren 346 Terawattstunden. Hauptursache war laut Fraunhofer ISE der zu geringe Windausbau: Onshore wurden 4,5 Gigawatt neue Leistung zugebaut, offshore nur 0,29 Gigawatt. Ende 2025 sollte eine installierte Windleistung von 76,5 Gigawatt vorhanden sein, tatsächlich waren es nur 68,1 Gigawatt.