Sturmtief Elli: Die Kritik ist vorhersehbarer als das Wetter
Sturmtief Elli verlief milder als befürchtet. Aber die Empörung über weniger Chaos war vorhersehbar. Warum Wetterwarnungen weiterhin wichtig, aber selten exakt sind.

Autos fahren am Freitag in der Nähe von Helmstedt bei Schnee und Wind über eine schneebedeckte Straße. © Julian Stähle/dpa
Sturmtief Elli verlief milder als befürchtet. Aber die Empörung über weniger Chaos war vorhersehbar. Warum Wetterwarnungen weiterhin wichtig, aber selten exakt sind.
10. Januar 2026, 14:49 Uhr
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Man kann aus einer Unwetterwarnung vieles machen. Man kann sie ignorieren und im Schneegestöber mit wenigen Metern Sichtweite landen. Man kann sie dramatisieren und von absoluter Lebensgefahr für alle sprechen, die das Haus verlassen. Oder sie mit gegebener Vorsicht eigenverantwortlich umsetzen.
Über Deutschland zog das Sturmtief Elli – aus dem All betrachtet ein beachtliches, rotierendes Tiefdruckgebiet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prognostizierte schon frühzeitig einen starken Schneesturm und spätestens ab Donnerstag überschlugen sich die Meldungen über "Elli". Aus der Unwetterwarnung des DWD, die erheblichen Schneefall, starken Wind, Schneeverwehungen und Glatteisgefahr ankündigte, wurde schnell ein mediales Großereignis, in dem von lebensgefährlichen Zuständen zu lesen war. Vergleiche zur Schneekatastrophe im Winter 1978/1979 machten die Runde. Schulen in Teilen Norddeutschlands wurden geschlossen, in Berlin wurde für Freitag die Schulpflicht aufgehoben.
Bereits Freitagmorgen sah die Lage dann anders aus, der DWD gab für Berlin und Brandenburg Entwarnung. Das Tief hatte vor Berlin abgedreht und streifte die Hauptstadt letztlich nur im Südwesten mit etwas Schneefall. Grund genug für einige, sich in den sozialen Medien über "Elli" lustig zu machen oder sich über die allgemeine Panikmache aufzuregen.
Die Kritik an den Unwetterwarnungen ist jedes Mal vorhersehbarer als das Wetter selbst.
Prognosen sind nur so gut wie die Daten
Die Warnungen des Wetterdienstes sind so wichtig wie fundiert, aber sie können natürlich nur so genau sein wie die Daten, auf deren Basis sie erstellt werden. Im Laufe der Zeit sind die Vorhersagemodelle immer besser und präziser geworden, auch weil die Eingangsdaten für solche Modelle und die Rechenkapazität immer umfangreicher werden. Nur: Das, was in der Atmosphäre passiert, ist so komplex, chaotisch und beeinflusst von groß- und kleinskaligen physikalischen Prozessen, dass kein Wettermodell die Realität abbilden kann.