Stuttgart 21: Wo findet man den Weg durch die vielen Baustellen?
Seit 2010 wird an Stuttgart 21 gebaut, aber wann der neue Bahnhof fertig wird, weiß niemand. Bis dahin trampelt man als Fußgänger an der Baustelle vorbei.
Stuttgart 21: Wo findet man den Weg durch die vielen Baustellen?
Wir stellen uns in den Fußgänger-Trichter von Stuttgart 21.
Aus der ZEIT Nr. 01/2026 Aktualisiert am 1. Januar 2026, 12:40 Uhr
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Vermutlich ist Stuttgart 21 das perfekte Symbol für unser Leben, das bekanntlich eine Baustelle ist. © Verena Müller/laif
Stuttgart war einst berühmt für seine Reinlichkeit. Wer die Stadt nicht kannte, wusste doch, mit welchen Begriffen sie in Verbindung gebracht werden wollte: Mercedes, Bosch, Kehrwoche. Seit einigen Jahren bietet ihr Zentrum allerdings einen unauskehrbaren Anblick: überall Schutt, Berge von Abraum. Als habe ein im Untergrund wühlender Riesenkrake an weit auseinanderliegenden Stellen mit seinen Armen die Erdoberfläche durchstoßen.
Zentrum der Verwüstung ist der Hauptbahnhof. Er wurde bei laufendem Betrieb tranchiert und unterhöhlt, es wird bekanntlich dem alten, von Paul Bonatz entworfenen Bau ein neuer Tiefbahnhof wie eine Schublade untergeschoben. Stuttgart 21 heißt das Milliardenprojekt, welches die Bürgerschaft seit vielen Jahren in Bann hält.
Die Stadt macht sich, wie man so sagt, fit für die Zukunft, aber ihren Bewohnern erscheint es eher, als implodiere sie in Zeitlupe. 2,6 Milliarden Euro sollte der Bau nebst seinen die Stuttgarter Hügel durchbohrenden Tunneln ursprünglich kosten, nun wird von mindestens elf Milliarden gesprochen. Im Februar 2010 begann die Arbeit, deren Sinn von vielen Kritikern bestritten wird; mit ihrer Vollendung ist noch länger nicht zu rechnen. Unmittelbare Folge für Zugreisende: Über die Aushublandschaft des Bahnhofsviertels hinweg werden die Passagiere mittels eines geisterbahnhaften Rampensystems in die City beziehungsweise zu den Bahnsteigen geleitet.
Der Trichter für die Massen hat etwas von einem Kamin an sich, er ist ziemlich eng und erstaunlich steil, und er führt das Volk in Knicken und Steigungen zu den Zügen hinauf – in weitem Bogen am alten Bahnhofsbau vorbei. Während der Stoßzeiten ist diese Gangway erfüllt vom Getrappel Tausender Stiefel und dem Kollern der Rollkoffer, eine Stampede der Pendler lässt das Bauwerk erzittern, die Szenerie hat etwas Gehetztes.