Taiwan: Millionen Cyberangriffe aus China auf kritische Infrastruktur – pro Tag
Taiwans Nachrichtendienst hat im vergangenen Jahr im Schnitt 2,6 Millionen chinesische Cyberattacken auf die eigene kritische Infrastruktur gezählt – jeden Tag.
Auf die kritische Infrastruktur in Taiwan wurden im vergangenen Jahr im Schnitt 2,63 Millionen Cyberattacken pro Tag aus China registriert. Das hat der Nachrichtendienst NSB jetzt bekannt gegeben und erklärt, dass es sich dabei um einen Anstieg von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gehandelt habe. Betroffen sind demnach hauptsächlich die Verwaltung, Energie, Kommunikation und Übertragung, Transport, Notfalleinrichtungen und Krankenhäuser, Wasser, Finanzen, Wissenschaft, die Industrie sowie die Nahrungsmittelerzeugung. Besonders stark zugenommen hätten die Angriffe auf den Energiesektor und Krankenhäuser, schreibt das National Security Bureau (國家安全局) weiter.
Angriffsintensität angeblich nicht zufällig
Wie der Nachrichtendienst NSB weiter ausführt, gab es bei den Cyberattacken eine „gewisse Korrelation“ mit großangelegten Übungen der chinesischen Armee in den Gewässern um Taiwan. Auch während wichtiger Zeremonien in Taiwan seien die Cyberangriffe verstärkt worden. Damit meint der NSB etwa die Veröffentlichung wichtiger Regierungserklärungen und Auslandsbesuche hochrangiger Vertreter oder Vertreterinnen Taiwans. Den Höhepunkt hätten die Cyberattacken am ersten Jahrestag der Amtseinführung von Staatspräsident Lai Ching-te erreicht. Der steht seit dem 20. Mai 2024 an der Spitze des Landes.
Die Cyberangriffe teilt der Nachrichtendienst in vier große Bereiche auf: Zum einen würden die dafür Verantwortlichen versuchen, Schwachstellen in Hard- und Software auszunutzen. Darauf würden mehr als die Hälfte der Angriffe entfallen, viele dürften automatisiert erfolgen. Hinzu kommen DDoS-Angriffe, für die aber deutlich weniger Know-how nötig ist. Weiterhin spricht der NSB von Angriffsversuchen per Social Engineering und Attacken auf Lieferketten. Der Nachrichtendienst hat zudem 20 Attacken mit Ransomware auf medizinische Einrichtungen gezählt, bei denen Daten verschlüsselt oder gestohlen wurden.
China betrachtet Taiwan als Bestandteil des eigenen Territoriums und strebt offiziell eine „Wiedervereinigung“ an. Der sogenannte Taiwan-Konflikt hat mit den Spannungen zwischen China und den USA, die als Schutzmacht Taiwans agieren, zuletzt wieder an Schärfe gewonnen. Als wichtigen Garanten für die Unabhängigkeit sieht Taiwan die eigene Halbleiterindustrie, von der die Welt und China fundamental abhängig ist. Vor anderthalb Jahren hat der niederländische Konzern ASML schon einmal gewarnt, dass er die modernsten Lithografie-Systeme zur Herstellung von Halbleitern auch aus der Ferne stilllegen kann. Das dürfte als Warnung an die Volksrepublik gedacht gewesen sein.
(mho)