Tausende protestieren nach tödlichen Schüssen in Minneapolis
Tausende Menschen haben in Minneapolis demonstriert - der Stadt, in der vor wenigen Tagen eine Frau von einem ICE-Beamten erschossen wurde. Auch in anderen Städten gab es Proteste gegen die Einwanderungsbehörde.

Stand: 11.01.2026 08:15 Uhr
Tausende Menschen haben in Minneapolis demonstriert - der Stadt, in der vor wenigen Tagen eine Frau von einem ICE-Beamten erschossen wurde. Auch in anderen Städten gab es Proteste gegen die Einwanderungsbehörde.
Nach den tödlichen Schüssen eines Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE auf eine Frau sind in Minneapolis Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie riefen am Samstag den Namen von Renee Nicole Good, die am Mittwoch in ihrem Auto erschossen worden war, und forderten ICE auf, die Stadt zu verlassen. Der Protest war einer von mehr als 1.000, die am Wochenende landesweit geplant waren.
"Wir leben im Moment alle in Angst", sagte Meghan Moore, die an dem Protest ein Minneapolis teilnahm, der Nachrichtenagentur AP. "ICE schafft ein Umfeld, in dem sich niemand sicher fühlt, und das ist inakzeptabel." Drew Lenzmeier, ein weiterer Protestteilnehmer, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe das Gefühl, "dass uns unsere Rechte genommen werden und wir uns zu einer autoritären Diktatur entwickeln".
Demonstranten festgenommen
Die Proteste in Minneapolis verliefen nach Angaben von Bürgermeister Jacob Frey größtenteils friedlich. In der Nacht zum Samstag sei es jedoch zu Sachbeschädigungen in einem Hotel und zu 29 Festnahmen gekommen, als Demonstranten versuchten, in ein anderes Hotel einzudringen, in dem sie ICE-Beamte vermuteten. "Wir werden dem Chaos von Donald Trump nicht mit unserem eigenen Chaos begegnen", sagte Frey.
Auch in zahlreichen anderen Städten wurde demonstriert, unter anderem in New York und Washington sowie in Kansas City im US-Bundesstaat Missouri, wie in diesem Bild zu sehen.
US-Regierung spricht von Selbstverteidigung
Die demokratisch geführten Behörden des Bundesstaates Minnesota und die republikanische Regierung von Präsident Donald Trump vertreten deutlich unterschiedliche Darstellungen des Vorfalls. Den Behörden in Minnesota zufolge war der Schusswaffengebrauch ungerechtfertigt. Ein Video eines Augenzeugen zeige, wie Goods Fahrzeug von dem Beamten wegdrehte, als dieser feuerte.
Das Ministerium für Innere Sicherheit (DHS), dem die ICE untersteht, erklärte hingegen, der Beamte habe in Notwehr gehandelt. Die Frau habe versucht, "ihren Wagen als Waffe zu verwenden". Good, eine Freiwillige in einem Netzwerk, das ICE-Einsätze in Minneapolis beobachtet, sei auf den Beamten zugefahren, nachdem ein anderer Beamter sie aufgefordert hatte, aus dem Wagen zu steigen.
Neues Video veröffentlicht
Erst gestern wurde ein weiteres Video veröffentlicht, das auch die Geschehnisse vor den Schüssen zeigt - diesmal aus Sicht des Beamten. Ob das Auto den Beamten aber tatsächlich berührt hatte, ist in dem Video nicht zu sehen. Das Heimatschutzministerium und Vizepräsident JD Vance führten das Video dennoch als Beleg dafür an, dass der Beamte sich verteidigte.