Tennisspiel während Stromausfalls: AfD, BSW und FDP fordern Wegners Rücktritt
SOURCE:Tagesschau
Die Menschen im Südwesten Berlins haben wieder Strom. Doch die Kritik am Krisenmanagement des Regierenden Bürgermeisters Wegner wird lauter - auch aus der eigenen Koalition. Explizite Rücktrittsforderungen kommen von AfD, FDP und BSW.

Stand: 08.01.2026 19:16 Uhr
Die Menschen im Südwesten Berlins haben wieder Strom. Doch die Kritik am Krisenmanagement des Regierenden Bürgermeisters Wegner wird lauter - auch aus der eigenen Koalition. Explizite Rücktrittsforderungen kommen von AfD, FDP und BSW.
Regierender Bürgermeister Wegner wegen Tennis-Matchs während Stromausfalls in der Kritik
SPD-Wirtschaftssenatorin Giffey: "Erlebe aus Bevölkerung sehr irritierte Reaktionen"
Wegner kündigt Regierungserklärung an
Oppositionsparteien AfD, BSW und FDP fordern Rücktritt
Auch aus dem Berliner Senat wird jetzt Kritik laut, wie sich der Regierende Bürgermeister Kai Wegner während des Stromausfalls im Südwesten der Stadt verhalten hat. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey vom Koalitionspartner SPD sagte, sie könne das Verhalten ihres CDU-Kollegen "nicht ganz nachvollziehen".
"Ich kann nur sagen, ich bin mit der Situation anders umgegangen", sagte sie am Donnerstag bei einem Termin in Berlin-Zehlendorf. "Ich erlebe aus der Bevölkerung sehr irritierte Reaktionen." Sie könne verstehen, dass man in einer Krisensituation auch eine Pause brauche, so Giffey. "Ich finde, dann kann man das auch sagen", ergänzte sie. Welche politischen Folgen es gebe, müsse man nun abwarten.
Wie zuerst der rbb berichtete, hatte Wegner am Samstagmittag Tennis gespielt. Öffentlich hatte er aber den Eindruck vermittelt, er sei durchgängig mit dem Krisenmanagement befasst gewesen.
Wegner: Selbstkritik aber keine Entschuldigung
Die Senatskanzlei bestätigte dem rbb, Wegner habe "von 13 bis 14 Uhr" eine Stunde lang Tennis gespielt. Der Regierende Bürgermeister sei aber "jederzeit erreichbar" gewesen. Wegner hatte am Sonntag beim Besuch einer Notunterkunft in Steglitz-Zehlendorf erklärt, er habe am ersten Tag des Stromausfalls im Home-Office gearbeitet und sei "den ganzen Tag am Telefon" gewesen.
Rückblickend, sagte Wegner am Mittwoch in der rbb24 Abendschau, hätte er am Sonntag sagen sollen, dass er am Samstag für eine Stunde Sport gemacht habe. Sein Fokus seien immer die Zehntausenden Haushalte gewesen und die Frage, wie sie wieder Wärme und Strom bekommen, sagte Wegner weiter.
Er sieht allerdings keinen Anlass, sich für sein Tennis-Match zu entschuldigen. "Es gibt ja keinen Grund zur Entschuldigung, wenn man eine Krise anderthalb Tage vorher beendet", sagte Wegner am Donnerstag. "Wir haben das gut hinbekommen."
Wegner kündigt Regierungserklärung an - Fraktion stellt sich offenbar hinter ihn
Wegner kündigte für die kommende Woche eine Regierungserklärung im Berliner Landesparlament an. Der Regierungschef will am 15. Januar ausführlich Stellung zu den Erfahrungen mit dem fünftägigen Blackout und der Kritik an seinem Krisenmanagement nehmen.
Am Mittwochabend hatte es aber auch aus Wegners eigener Partei vorsichtige Kritik gegeben: Der CDU-Kreisvorsitzende aus Steglitz-Zehlendorf, Stephan Standfuß sagte: "Ich würde Wegner nicht vorwerfen wollen, dass er Tennis gespielt hat, wenn er danach alles richtig gemacht hat", sagte Standfuß, der auch stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus ist.
Standfuß sagte, er selbst habe "ziemlich früh verstanden", dass dieser Stromausfall eine größere Dimension in seinem Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf habe. "Ich habe schon mittags im Stab im Rathaus Zehlendorf gesagt: Das ist eine Sache, die wird dramatisch." Nicht jeder habe das sofort begriffen. "Wegner war ein Stück weiter weg", sagte Standfuß.
Krach: Wegner hat Berliner "belogen"
Steffen Krach, der Spitzenkandidat von Wegners Koalitionspartnerin SPD, warf dem Regierenden Bürgermeister vor, die Berlinerinnen und Berliner "belogen" zu haben und nannte Wegners Verhalten "inakzeptabel".
Ähnlich äußern sich die Grünen. Den Menschen "in großer Notzeit nicht die Wahrheit" zu sagen, sei eines Regierenden Bürgermeisters "nicht würdig", sagt Fraktionschef Werner Graf dem rbb. Die Grünen-Fraktion fordert von Wegner eine Regierungserklärung am Donnerstag im Plenum.
Linken-Landeschef Maximilian Schirmer fordert Wegner auf, sich zu überlegen, "ob dieser Job noch der richtige für ihn ist".
AfD, BSW und FDP fordern Rücktritt
Explizite Rücktrittsforderungen kamen von AfD, FDP und BSW. "Es wäre schon schlimm genug, dass der Regierende Bürgermeister von Berlin eine Notlage, die durch einen Terrorangriff auf die Infrastruktur der Stadt ausgelöst wurde, nicht ernst genug nimmt, um auf sein Tennismatch zu verzichten", erklärte AfD-Chefin Kristin Brinker. Zudem habe er aber "den Berlinern auch noch ins Gesicht gelogen".
Der FDP-Vorsitzende Christoph Meyer sprach von "bewusster Täuschung" Wegners: "Wer in der Krise nicht führt und anschließend die Öffentlichkeit belügt, kann dieses Amt nicht weiter ausüben."
"Jetzt bleibt eigentlich nur noch der Rücktritt", resümierte auch BSW-Landeschef Alexander King.
Kritik und auch Rücktrittsforderungen könne er nicht verhindern, sagte Wegner in der rbb24 Abendschau. Aber die Berliner Regierung habe bewiesen, "dass wir Krise können und das schneller als gedacht".
Wegner: "Ja, ich brauche kurz eine Pause"
Wegner selbst sagte am Mittwochabend in der rbb24 Abendschau, er habe am vergangenen Samstag zunächst - nach acht Uhr, als er über den Stromausfall informiert worden sei - Telefonate geführt. "Ich habe dann irgendwann gesagt: Ja, ich brauche kurz eine Pause, ich muss meinen Kopf frei kriegen, und das kann ich am besten mit Sport." Im Interview mit "Welt TV" erklärte er es genauer: Er habe Tennis gespielt. "Ich bin danach sofort wieder an mein Telefon gegangen, bin in mein Büro gegangen und habe weitergemacht."
Eine genaue Bilanz des Krisenmanagements steht noch aus. Nach rbb-Informationen gibt es zurzeit Debatten um den Zeitpunkt, zu dem die Großschadenslage ausgerufen wurde. Demnach gab es offenbar auch innerhalb der Landesregierung unterschiedliche Ansichten darüber, zwischen dem Regierenden Bürgermeister, der beteuert, dass er sehr früh schon darauf gedrungen habe, und der Innensenatorin Iris Spranger.