Theater in Mariupol: Wiederaufbau als russische Propagandashow
Hunderte Menschen, darunter viele Kinder, hatten 2022 im Theater von Mariupol Schutz gesucht, als russische Flieger ihre Bomben darauf warfen. Nun feiert Russland die Wiedereröffnung in der besetzten ukrainischen Stadt. Von Mariia Fedorova.

Stand: 04.01.2026 10:28 Uhr
Hunderte Menschen, darunter viele Kinder, hatten 2022 im Theater von Mariupol Schutz gesucht, als russische Flieger ihre Bomben darauf warfen. Nun feiert Russland die Wiedereröffnung in der besetzten ukrainischen Stadt.
Von Mariia Fedorova, ARD Kiew
Aus Mariupol dringen nur selten Nachrichten nach außen. Aus jener Stadt, die kurz nach Beginn der russischen Invasion zu einem der zentralen Schauplätze dieses Krieges wurde - und heute weitgehend in Trümmern liegt.
Diese Woche aber tauchte Mariupol wieder in den Schlagzeilen auf, vor allem in den russischen Staatsmedien. Der Anlass: die Wiedereröffnung des Schauspielhauses von Mariupol.
Es ist genau jenes Theater, das im März 2022 zerstört wurde. Damals suchten dort Hunderte Zivilisten Schutz: Familien, ältere Menschen, Kinder. Für viele galt das Gebäude als letzter sicherer Ort.
Schwärmen vom Kronleuchter
In den zentralen russischen Nachrichten wird nun gejubelt, wie prächtig das Theater geworden sei. Geschwärmt wird vom neuen Kronleuchter, vom frischen Stuck, vom hohen Besuch. Auf den Ehrentribünen sitzen Vertreter der selbst ernannten "Donezker Volksrepublik", daneben bekannte Schauspieler aus Russland.
Von der Bühne heißt es: "Unser Präsident Wladimir Putin hat einmal sehr richtig gesagt: Man kann Menschen töten, aber nicht die Kultur, die sie tragen. Vor allem nicht die Kultur einer ganzen Nation, vor allem nicht einer so großen wie der russischen."
Bomben auf Kinder
In den russischen Staatsmedien wird behauptet, das Gebäude sei durch eine Explosion von innen zerstört worden. Internationale Organisationen widersprechen klar.
Amnesty International kommt in einem ausführlichen Bericht zu dem Schluss, dass russische Kampfflugzeuge zwei Bomben auf das Theater abwarfen. Zu einem Zeitpunkt, als bekannt war, dass sich dort Hunderte Zivilisten aufhielten. Vor dem Gebäude war in großen Buchstaben ein einziges Wort auf das Pflaster gemalt: "Deti" - auf Deutsch: "Kinder".
Amnesty bezeichnet den Angriff als Kriegsverbrechen und spricht von Dutzenden bestätigten Toten. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch deutlich höher liegen. Wie viele Menschen tatsächlich ums Leben kamen, lässt sich bis heute nicht genau feststellen.
"Reine Propaganda"
Am Wiederaufbau des Theaters waren nun laut der unabhängigen Online-Zeitung Novaya Gazeta Europe mehr als 20 Firmen aus St. Petersburg beteiligt. Heute zeigt die neue Leitung rund um die Winterfeiertage populäre russische Kindermärchen.
Für den Künstler Hennadij Dybowskyj ist das kaum zu ertragen: