Trotz Protesten: EU macht Weg frei für Mercosur-Abkommen
Bis zum Schluss hatten europäische Bauern versucht, das Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten zu verhindern. Doch nun haben ihm die EU-Länder mehrheitlich zugestimmt. Von Thomas Spickhofen.

Stand: 09.01.2026 17:45 Uhr
Bis zum Schluss hatten europäische Bauern versucht, das Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten zu verhindern. Doch nun haben ihm die EU-Länder mehrheitlich zugestimmt.
Selten hat sich die Europäische Union so langsam einer Ziellinie genähert, aber nun ist es wohl so weit: Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungsmarathon steht eine Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens unmittelbar bevor.
Seit dem EU-Gipfel im Dezember, über Weihnachten und den Jahreswechsel hinweg, gab es noch einmal intensive Verhandlungen innerhalb der Gemeinschaft, weil nach Frankreich, Polen, Österreich und Ungarn überraschend auch Italien Bedenken angemeldet hatte.
Diese agrarisch geprägten Mitgliedsländer befürchten, dass ihre Landwirte durch eine südamerikanische Konkurrenz, die womöglich billiger produzieren kann und weniger Standards unterliegt, massiv unter Druck gerät.
Die Kommission hatte daraufhin vorgeschlagen, europäisches Geld für die Landwirtschaft schon eher als vorgesehen verfügbar zu machen. Außerdem werden einige Schutzklauseln noch enger gefasst. Damit wurde Italien offenbar wieder ins Boot geholt, und das reicht für die so genannte qualifizierte Mehrheit aus 15 Mitgliedsländern, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren.
MERCOSUR
Der Gemeinsame Südamerikanische Markt (Mercado Común del Sur, MERCOSUR) ist ein regionaler Zusammenschluss der südamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Venezuela und Bolivien.
Die Mitgliedschaft von Venezuela ist seit 2017 suspendiert. Bolivien ist zunächst nicht Teil des MERCOSUR-Abkommens mit der EU.
Der MERCOSUR wurde 1991 gegründet und hat zum Ziel, durch politische, soziale und wirtschaftliche Zusammenarbeit die regionale Integration zu fördern.
Quelle: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, dpa
"Endlich", freut sich Bernd Lange, der Vorsitzende des mächtigen Handelsausschusses im Europaparlament. "Damit haben wir deutlich gemacht, dass wir in dieser geopolitischen Situation für faire, verlässliche Partnerschaft stehen mit Ländern, die auch eine verlässliche Partnerschaft auf Augenhöhe wollen." Nun stehe "die Ampel für das Mercosur-Abkommen und für das Sicherheitsnetz der europäische Landwirtschaft auf Grün", sagt Lange. Und den Sorgen der Kritiker sei "Genüge getan".
