Venezuela: "Ohne kontrollierende Kräfte droht Venezuela der Zerfall"
Die USA haben Maduro gestürzt, doch sein Machtzirkel bleibt stark, sagt Venezuela-Beobachterin Anja Dargatz. Vom Übergang zu einer Demokratie sei das Land weit entfernt.

Venezolanische Sicherheitskräfte vor einer Tankstelle in La Guaira © Jesus Vargas/Getty Images
Die USA haben Maduro gestürzt, doch sein Machtzirkel bleibt stark, sagt Venezuela-Beobachterin Anja Dargatz. Vom Übergang zu einer Demokratie sei das Land weit entfernt.
4. Januar 2026, 16:25 Uhr
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Die Politologin Anja Dargatz leitet das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Caracas. Im Interview spricht sie darüber, wie Venezuela gerade in gespenstische Ruhe verfällt, ob ein Machtwechsel bevorsteht und was Venezuela bei einer erneuten US-Militäroperation droht.
DIE ZEIT: Frau Dargatz, Samstagnacht haben die USA Venezuela angegriffen und den amtierenden Machthaber Nicolás Maduro gefangen genommen: Wie erlebt die Bevölkerung die Lage?
Anja Dargatz: Der US-Angriff und die Bombardements waren für die Venezolaner natürlich ein Schockmoment, erfüllt von Angst, Schrecken und großer Ungewissheit. Jetzt warten die Menschen ab. Auf den Straßen von Caracas herrscht Friedhofsruhe, einmal abgesehen von den Schlangen vor den Supermärkten. Man weiß ja nicht, ob es vielleicht noch eine zweite Angriffswelle gibt.
ZEIT: Im venezolanischen Staatsfernsehen präsentiert man weiter Menschen auf Kundgebungen, die Maduro Treue schwören. Wie groß ist sein tatsächlicher Rückhalt in Venezuela?
Dargatz: Minimal. Spätestens seit den Präsidentschaftswahlen 2024 ist klar, dass Maduro keine Mehrheit mehr im Land hat. Umso mehr sorgen sich die Menschen, wer auf ihn folgen könnte. Denn der Machtzirkel um Maduro existiert weiter.
ZEIT: Donald Trump hat gestern verkündet, die USA würden Venezuela so lange regieren, bis ein sicherer Machtwechsel gewährleistet sei. Wie soll das ohne US-Präsenz im Land funktionieren?