Vor wenigen hundert Jahren: Spur eines Ausbruchs des Schwarzen Lochs Sgr A*
Das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße hat offenbar vor relativ kurzer Zeit dramatisch aufgeflackert. Davon wurde ein Echo gefunden.
Sagittarius A* (Sgr A*), das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße, gehört zwar zu den unscheinbarsten, die wir kennen. Ein massiver Ausbruch hat sich aber offenbar erst vor vergleichsweise kurzer Zeit ereignet. Das hat eine Analyse mit dem Weltraumteleskop XRISM ergeben, die Spuren eines „dramatischen Aufflackerns“ vor wenigen hundert bis maximal 1000 Jahren gefunden hat. Das berichtet die Michigan State University aus den USA, wo einer der beteiligten Forscher arbeitet. Er und sein Team haben demnach mit dem japanischen Röntgenteleskop ein Echo dieses Ausbruchs bei einer Molekülwolke in unmittelbarer Umgebung von Sgr A* vermessen. Ihr Ziel ist es jetzt, anhand anderer solcher Echos eine Zeitleiste der Aktivität des Schwarzen Lochs zu erstellen.
Hoffnung auf weitere Funde
Wie die Forschungsgruppe in Erinnerung ruft, sind zahlreiche supermassereiche Schwarze Löcher viel heller, als es der Name vermuten lässt. Weil sie Gas in ihrem Orbit extrem beschleunigen und erhitzen, senden sie sogar besonders viel energiereiche Strahlung aus. Im Zentrum der Milchstraße sieht es anders aus: Sagittarius A* gehört zu den lichtschwächsten, die wir kennen. Wäre es uns nicht so nahe, könnten wir es nicht nachweisen. Gleichzeitig werde es aber von Wolken aus unterschiedlichen Molekülen umkreist, die wie kosmische Spiegel funktionieren könnten, erläutert die Forschungsgruppe. Reflektierte Signale ließen sich bislang aber nur als viel zu schwaches Glimmen empfangen. Erst das 2023 gestartete Weltraumteleskop mit dem vollen Namen X-Ray Imaging and Spectroscopy Mission war nun leistungsfähig genug für mehr.
Erst XRISM habe bei der Vermessung der Röntgenstrahlung eine Auflösung, die hoch genug sei, um diese Echos nachzuweisen. Der Wechsel sei wie der von einem Polaroid zu einem hochaufgelösten Foto in Technicolor, erläutert das Team, auch weil das Instrument die Energie einzelner Röntgenphotonen vermessen kann.
Mehr Details zu dem Ausbruch des supermassereichen Schwarzen Lochs, der für das Echo verantwortlich ist, nennt es nicht, der müsse aber erheblich gewesen sein. Über die Vermessung unterschiedlicher Molekülwolken könnte man eine Chronik solcher Ausbrüche erstellen, sagt das Team noch. Die aktuelle Forschungsarbeit soll in einem Artikel im Fachmagazin The Astrophysical Journal Letters vorgestellt werden, der noch nicht öffentlich einsehbar ist.
Update 07.01.2026, 20:08 Uhr
Link zum Fachartikel korrigiert.
(mho)