Wie das Abnehmen gelingen kann
Anfang Januar ist die Zeit, die Vorsätze fürs neue Jahr umzusetzen. Für viele heißt das: abnehmen. Diäten helfen dabei wenig, sagen Forschende. Sinnvoller sei es, bestimmte Tipps zu beachten. Von D. Tromballa und S. v. Liebe.

Stand: 11.01.2026 08:08 Uhr
Anfang Januar ist die Zeit, die Vorsätze fürs neue Jahr umzusetzen. Für viele heißt das: abnehmen. Diäten helfen dabei wenig, sagen Forschende. Sinnvoller sei es, bestimmte Tipps zu beachten.
Von Doris Tromballa und Sylvaine von Liebe, BR
Jetzt, Anfang des Jahres, ist der Ehrgeiz bei vielen groß, Vorsätze, die für das neue Jahr gemacht wurden, auch einzuhalten. In Deutschland liegt auf Platz eins der guten Vorsätze: "Geld sparen", gleich dahinter kommen "mehr Sport treiben" und "abnehmen". Jedes Jahr wird deshalb auch pünktlich zum Jahreswechsel mindestens eine neue, ganz bestimmt wirksame Diät angepriesen.
Kartoffeldiät, die 90-30-50-Methode oder Intervallfasten - welche soll es dieses Jahr sein? Oder doch lieber nach der Methode "Intuitiv essen" vorgehen: Auf seinen Bauch hören und alles wird gut? Hilft alles nichts, belegen zahlreiche Studien. Zumindest langfristig führen Diäten nicht zum ersehnten Abnehm-Erfolg, wie eine Analyse von 121 Studien im British Medical Journal zeigt. Bei den meisten Diäten nimmt man zwar kurzfristig ab - aber langfristig wieder zu. Viele wiegen am Ende sogar mehr als vorher, Stichwort: Jo-Jo-Effekt.
Warum Diäten nicht funktionieren: Essverhalten ist sozial gesteuert
Meist funktionieren Diäten oder das Anti-Diät-Konzept, das das "intuitive Essen" propagiert, also bei Hungergefühl alles essen zu dürfen, was einem das sprichwörtliche Bauchgefühl sagt, schon deshalb nicht, weil unser Essverhalten sozial gesteuert ist.
"In Situationen, wo man vielleicht überhaupt keinen Hunger hat und vielleicht auch überhaupt keine Lust auf das hat, was da auf dem Tisch steht, neigt der Mensch als soziales Wesen eben aus Höflichkeit dazu, das trotzdem zu essen", erklärt die Ernährungssoziologin Tina Bartelmeß von der Universität Bayreuth dieses Verhalten.
Leptinresistenz als Ursache für fehlendes Sättigungsgefühl
Außerdem haben gerade Menschen mit Übergewicht häufig eine sogenannte Leptinresistenz. "Man weiß zum Beispiel, dass hohe Fructose-Dosen dazu führen, dass so eine Leptinresistenz entsteht", erklärt die Chemikerin Dietlind Hanrieder von der Hochschule Anhalt.
Leptin ist das Sättigungshormon, das das Hungergefühl unterdrückt, dem Gehirn quasi sagt: "Du bist satt". Bei Menschen mit einer Leptinresistenz kommt diese Botschaft nicht mehr an - der Körper meldet ständig "Hunger", auch wenn er genug hat.
Hochverarbeitete Lebensmittel mit viel Zucker, Fett und Kohlenhydraten
Unser Ernährungsumfeld ist ein weiterer Grund dafür, warum Diäten meist nicht langfristig funktionieren. So beträgt in Deutschland der Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel in der Ernährung im Durchschnitt 39 Prozent. In den USA sind es sogar schon über 50 Prozent. Diese Produkte sind so designt, wie wir es mögen - und das ist vor allem weich, süß und bequem.
"Ich würde sagen, diesen ganzen Verlockungen zu widerstehen, das ist eigentlich die Hauptaufgabe des Menschen", sagt die Ernährungssoziologin Tina Bartelmeß.
Was ist gesund? Ursache und Wirkung schwierig
Den zahlreichen ungesunden Verlockungen zu widerstehen, ist eine Sache. Doch was ist eigentlich in puncto Essen gesund? Das ist für jeden Einzelnen schwer zu beurteilen. Ernährungssoziologin Bartelmeß vergleicht etwa die Krebsgefahr von verarbeitetem oder rotem Fleisch mit der Gefahr einer Bananenschale auf dem Boden. Die Bananenschale stelle zwar eine Gefahr dar. "Aber das heißt nicht, dass sie auch immer zu einem Unfall führt. Und genauso ist es eben auch mit verarbeitetem Fleisch oder rotem Fleisch. Es ist eine Gefahr. Es kann unter bestimmten Umständen dazu führen, dass Krebs entstehen kann. Aber es ist kein spezielles Risiko dafür bekannt, dass das in einem gewissen Ausmaß auch wirklich eintritt", so Bartelmeß.
Ein Grundproblem der Ernährungswissenschaft: Die meisten Studien können nur Zusammenhänge und keine wirklichen Ursache-Wirkungs-Beziehungen aufzeigen.
Ernährungstipps: Was wissenschaftlich belegt hilft
Als gesichert gilt aber, dass wir möglichst wenig Alkohol und Zucker zu uns nehmen sollten, weil das der Leber schadet. Besonders Alkohol ist für die Gesundheit schädlich. Schließlich ist er einer der wesentlichen Risikofaktoren für mehr als 200 Erkrankungen, liefert zudem viele Kalorien und macht Appetit.
Außerdem sollten wir viel Gemüse essen, weil die darin enthaltenen Mikronährstoffe und Ballaststoffe unverzichtbar für viele Körperfunktionen sind. Möglichst verzichten sollten wir hingegen auf hochverarbeitete Lebensmittel, weil unser Körper von ihnen überhaupt nicht profitiert. Generell gilt: Der Hunger sollte "idealerweise das Leitgefühl Nummer eins beim Essen sein", betont der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop in einem Interview.
Das bedeute, den Hunger auszureizen, dass er wachse. Also: Nur essen, wenn man wirklich richtig hungrig ist. Wichtig ist dabei auch, sich auf das Essen wirklich zu konzentrieren - also ohne Handy, Fernseher oder stressige Gespräche.
Neue Entwicklungen beim Abnehmen
Neue Hoffnung, künftig Gewichtsprobleme besser in den Griff zu bekommen, gibt es unter anderem aus Kiel. Dort arbeitet der Arzt und Stoffwechselforscher Tim Hollstein an einem Stoffwechseltest. Damit will er die individuelle Ursache für Übergewicht herausfinden - ob es etwa genetisch bedingt ist oder eine andere Erkrankung dafür eine Rolle spielt.
Hollstein will so eine maßgeschneiderte Therapie für Menschen mit Gewichtsproblemen entwickeln. Denn Studien zufolge ist unser Gewicht zwischen 60-80 Prozent erblich bedingt - und hat mit "Willenskraft" und "Durchhalten" nichts zu tun, sondern mit Biologie.
Eine weitere positive Entwicklung sind die sogenannten Abnehmspritzen. Sie haben gezeigt, dass man Stoffwechselprozesse medikamentös beeinflussen kann. Durch das Medikament - das ein körpereigenes Hormon nachahmt - sinkt der Hunger, der Appetit beruhigt sich und der ständige mentale Fokus aufs Essen wird weniger. Viele verlieren dadurch 15 bis 20 Prozent ihres Gewichts. Aber auch hier haben Forschende vom Peking University People's Hospital in einer Studie festgestellt, dass nach dem Therapieende und dem Absetzen der Spritze eine Gewichtszunahme möglich ist.
Damit das Abnehmen auch im Jahr 2026 gelingt, heißt es also: Finger weg von Diäten. Besser bestimmte Ernährungsregeln beachten und nur essen, wenn man wirklich Hunger hat.