Wie geht es weiter im Libanon nach Ablauf der Hisbollah-Frist?
Laut dem Abkommen mit Israel muss der Libanon die Hisbollah entwaffnen. Bis Jahresende sollte die erste Phase abgeschlossen sein. Doch die Hisbollah weigert sich, und Israel greift weiter an. Von Andrea Beer.

Nach Ablauf von Frist Wie stabil ist der Waffenstillstand im Libanon?
Stand: 04.01.2026 09:19 Uhr
Laut dem Abkommen mit Israel muss der Libanon die Hisbollah entwaffnen. Bis Jahresende sollte die erste Phase abgeschlossen sein. Doch die Hisbollah weigert sich, und Israel greift weiter an.
Von Andrea Beer, zurzeit ARD Kairo
Schulkinder streifen neugierig durch das kleine Museum in Remhala, rund 30 Kilometer südlich von Beirut. Sie schauen sich die rostigen Metallskulpturen von Charles Nassar an. Der libanesische Künstler verarbeitet Waffenschrott zu Schiffen, Tieren und anderen Figuren. Der Nachrichtenagentur Reuters zeigt er seine Werke aus Granatsplittern und Patronenhülsen: "Daraus habe ich spielende Kinder gemacht", erzählt Nassar.
Material für seine Kunst findet er wohl auch künftig genug. Denn der Libanon ist weiter Schauplatz von Krisen und Kriegen, zuletzt zwischen der Terrororganisation Hisbollah und Israel, parallel zum Krieg im Gazastreifen.
Der Künstler Charles Nassar vor seinen Skulpturen aus Waffenschrott.
Ablauf der Frist für erste Phase der Entwaffnung
Im November 2024 vermittelten Frankreich und die USA ein Waffenstillstandsabkommen. Demnach muss die libanesische Armee die Hisbollah schrittweise in fünf Phasen entwaffnen und militärische Infrastruktur zerstören.
Als erstes geht es um Raketen und weitere Waffenlager, militärische Infrastruktur oder Tunnel südlich des Flusses Litani. Diese Phase sollte bis Ende Dezember abgeschlossen sein. Danach soll die Entwaffnung in den Gebieten nördlich des Flusses weitergehen, in der Hauptstadt Beirut und der Bekaa-Ebene.
Man werde sich nie ergeben, wiederholte Hisbollah-Chef Naim Kassem jedoch kurz vor dem Jahreswechsel seine Ablehnung im Fernsehen.
Die Entwaffnung sei ein israelisch-amerikanisches Projekt: "Eine Entwaffnung zu fordern, während Israel Aggressionen begeht und die USA dem Libanon ihren Willen aufzwingen und ihn seiner Macht berauben, bedeutet, dass man nicht im Interesse des Libanon handelt - sondern im Interesse Israels."
Israelische Luftangriffe gehen weiter
Das israelische Militär greift den Libanon indes weiter aus der Luft an, auch im neuen Jahr, wie MTV Lebanon berichtet. Zudem hat Israel sein Militär in mehreren Gebieten im Südlibanon belassen - anders als im Waffenstillstandsabkommen vereinbart.
Bis Oktober 2025 waren nach UN-Angaben durch israelische Luftangriffe mindestens 100 Zivilisten im Libanon getötet worden. Israelisches Militär zerstöre auch zivile Infrastruktur wie Straßen, Strom- und Wasseranlagen, berichtet Human Rights Watch. Die Hisbollah sei nicht entwaffnet, sondern organisiere sich neu, begründet Israel diese Angriffe.