Winter im Norden: Winter hält Hamburg und Schleswig-Holstein fest im Griff
4. Januar 2026, 14:09 Uhr Quelle: dpa Hamburg/Schleswig-Holstein

Schnee und Frost hielten Hamburg und Schleswig-Holstein am Wochenende fest im Griff. © Christian Charisius/dpa
Schnee, Frost und Glätte haben am Wochenende Hamburg und Schleswig-Holstein fest im Griff gehalten. Winterdienste waren im Großeinsatz, es kam zu zahlreichen Verkehrsunfällen, der Busverkehr in Teilen der Region war eingeschränkt und auch der Flughafen Hamburg meldete Verzögerungen.
Eine kalte polare Luftmasse sorgt laut Deutschem Wetterdienst (DWD) weiterhin für winterliche Bedingungen. Besonders Hamburg und der Süden Schleswig-Holsteins sind betroffen. Die Temperaturen lagen tagsüber um den Gefrierpunkt, nachts sanken sie teils auf minus 7 Grad.
Winterdienste im Großeinsatz
In Hamburg war die Stadtreinigung (SRH) nach dem Wintereinbruch erneut im Dauereinsatz. Rund 728 Kräfte und etwa 360 Fahrzeuge räumten seit den frühen Morgenstunden Hauptverkehrsstraßen, Busstrecken, ausgewählte Radwege, Bushaltestellen und Fußgängerüberwege. Grund waren überfrierende Nässe, eine nasse Schneedecke und weiterer erwarteter Niederschlag.
Trotz der Räumarbeiten meldete die Polizei Hamburg in der Nacht keine größeren Glätteunfälle. «Es gab lediglich ein paar Blechschäden. Da sprechen wir eher von Unfällen mit überhöhter Geschwindigkeit», sagte ein Sprecher des Lagedienstes.
Auch die Verkehrsleitzentrale in Hamburg stufte das Verkehrsaufkommen als gering ein. Nach Angaben der Verkehrsleitzentrale gab es weder in der Stadt noch im Umland größere Staus, auch nicht durch den Reiserückverkehr oder den verkaufsoffenen Sonntag. «Die Straßen sind am Mittag jetzt weiträumig geräumt», sagte eine Sprecherin. Die Stadtreinigung warnte weiterhin vor Glätte und erinnerte, dass Anlieger für das Räumen und Streuen der Gehwege vor ihren Grundstücken verantwortlich sind.
Glätteunfälle in Schleswig-Holstein
In Schleswig-Holstein kam es über Nacht zu 90 Glätteunfällen, wie die Polizeileitstellen mitteilten. Meist blieb es bei Blechschäden, Verletzte gab es kaum.
Besonders problematisch war die A1: Ein Lastwagen war zwischen Bad Oldesloe und Bargteheide auf glatter Fahrbahn ins Rutschen geraten, blockierte den mittleren und rechten Fahrstreifen und wurde geborgen. Auf der A7 Richtung Norden bei Schuby kollidierten drei Fahrzeuge miteinander, als ein Auto aufgrund von Glätte und wohl überhöhter Geschwindigkeit in die Mittelschutzleitplanke rutschte. Ein Mensch wurde leicht verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.
Feuerwehr im Dauereinsatz
Auch die Feuerwehr war am Wochenende in Hamburg stark gefordert. Rund 350 wetterbedingte Einsätze wurden gezählt. Hauptsächlich ging es um Schneemassen auf Bäumen, Ästen und Dächern, die aufgrund ihres Gewichts abzubrechen drohten oder bereits eine Gefahr darstellten. In vielen Fällen wurden lose Äste gesichert oder Schnee von Dächern entfernt.
Im Kreis Pinneberg führte der Wintereinbruch seit Sonnabend zu rund 50 Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehren, wie die Feuerwehr Pinneberg mitteilte. Hauptsächlich wurden unter der Schneelast abgebrochene Bäume und Äste beseitigt.
In Elmshorn wurden deshalb zeitweise die B431 im Bereich Köhnholz sowie der Heidmühlenweg gesperrt. Zudem unterstützten die Wehren bei mehreren Verkehrsunfällen auf glatten Straßen, unter anderem bei einem in den Graben gerutschten Linienbus bei Klein Nordende sowie weiteren Unfällen in Langeln und Raa-Besenbek. Verletzt wurden dabei mehrere Menschen, Lebensgefahr bestand jedoch nicht. Auch einige Dächer wurden von Schnee befreit.
Bus- und Bahnverkehr beeinträchtigt
Der winterliche Straßenbelag führte auch zu Beeinträchtigungen im öffentlichen Nahverkehr. Während der HVV in Hamburg seinen Busbetrieb in der Nacht wieder startete, blieb der Verkehr in Kiel zunächst eingestellt. Am Vormittag nahm die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) den Betrieb schrittweise wieder auf. Die KVG testete im Halbstundentakt die Straßenverhältnisse und bat Fahrgäste, sich auf Verspätungen und Unregelmäßigkeiten einzustellen. Auch die Metronom-Züge waren wieder einsatzbereit.
«Der Wintereinbruch wird uns auch in den kommenden Tagen beschäftigen. Wenn alle mithelfen, Stadt, Betriebe und auch alle Kieler ihrer Streupflicht nachkommen, kommen alle trotz Schnee und Eis sicher an ihr Ziel», sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD).
Flughafen Hamburg meldet Verzögerungen
Am Flughafen Hamburg war der Winterdienst seit Freitag im vollen Einsatz. Start- und Landebahnen sowie weitere Flächen wurden geräumt, Flugzeuge vor dem Start enteist. Dadurch kam es zu Verzögerungen bei Starts und vereinzelt zu Flugstreichungen, wie eine Sprecherin am Sonntag mitteilte.
Es bleibt auch kommende Woche frostig und winterlich in Norddeutschland
Auch in den kommenden Tagen bleibt es in Hamburg und Schleswig-Holstein winterlich. «Es bleibt erst einmal kalt und frostig», sagte Meteorologe Tobias Schaaf vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Vor allem in der Nacht zu Montag sei mit Dauerfrost und Temperaturen bis zu minus 5 Grad zu rechnen. Zudem werde in beiden Bundesländern weiterer Schnee erwartet. In Schleswig-Holstein dürfte es nördlich des Nord-Ostsee-Kanals besonders kräftig schneien, ausgelöst durch ein neu aufkommendes Tief über der Nordsee.
Erst zum Freitag der nächsten Woche sei eine vorübergehende Milderung möglich, danach könne es aber erneut kälter werden. Diese Prognose sei derzeit noch mit Unsicherheiten behaftet. Sicher ist jedoch: Hamburg und Schleswig-Holstein können sich auf eine Woche mit Schnee, Glätte und Frost einstellen.
Der Wintereinbruch bringt neben Einschränkungen aber auch weiterhin Freude. Wie schon am Wochenende dürften viele Menschen die Schneedecke für Spaziergänge und Rodelausflüge nutzen, etwa im Stadtpark oder im Jenischpark. Polizei und Wetterdienste mahnten dennoch zur Vorsicht: Die Glättegefahr bleibe hoch, Verkehrsteilnehmer sollten ihr Verhalten den winterlichen Bedingungen anpassen und unnötige Wege vermeiden.
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